Ich versuche mich zusammen zu nehmen, aber versprechen kann ich nichts, denn was dieser IKEA-Schleimbeutel mit einem Namen, der eigentlich nur Ungutes vermuten lässt wieder losgelassen hat, ist höchst… ehm, fragwürdig und beschwört die Frage auf, wie dringend er denn wirklich in die Klapse muss.
WELT.de: Welche Auswirkungen hat Nordkoreas Atomtest auf das Ziel der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen?
Hans Blix: Zunächst einmal war die Explosion, die stattgefunden hat, eine der Diplomatie und der Medien. Schließlich haben wir schon seit einiger Zeit vermutet, dass Nordkorea genug Plutonium besitzt, um fünf bis zehn Bomben zu bauen. Vorher war Pjöngjangs Fähigkeit zum Bau einer Atombombe virtuell, jetzt ist sie real.
Surreal ist dann das Gerede. Wenn er es schon so lange wusste, dann, well, hmm, wirklich nett dass er so lange auf seinem Arsch gesessen ist.
WELT.de: Worin sollte unsere Antwort bestehen?
Blix: Uns sollte es jetzt darum gehen, Nordkorea dazu zu bringen, “zurückzurudern”, und die Iraner dazu zu bewegen, die Urananreicherung auszusetzen. In beiden Fällen geht es im Kern darum, dass die USA eine Sicherheitsgarantie anbieten, die beinhaltet, dass sie diese beiden Länder nicht angreifen und keinen Regimewechsel anstreben werden.
Ja genau, lassen wir die USA sicher stellen, dass die schlimmsten Regimes der Welt an der Macht bleiben. Sicher. 1A-Idee. Ich glaube wenn irgendein Iraner oder Nordkoreaner nach Stockholm fliegen würde und diese Grinsfresse an die Wand stellen würde, könnte ich es ihm kaum übel nehmen.
Meine lange Erfahrung sagt mir, dass die atomare Aufrüstung aus einem Gefühl der Bedrohtheit resultiert. Nordkorea hatte Russland und China als Verbündete, aber jetzt hat Pjöngjang den Eindruck, dass es sich nicht mehr auf diese Freunde verlassen kann.
Wieder Weltklasse. Die USA sollten also die Rolle zweier Staaten übernehmen, die am besten in Geschichtsbüchern aufzubewahren wären. Ich könnt wetten irgendwo lässt sich eine Verdammung der USA seitens UN finden, weil diese irgendein, wesentlich moderateres Regime unterstützt hatten.
Die USA sind dem Land offen feindlich gesinnt.
No fuckin’ shit. Jeder, der sich für intelligenter als eine Gurke hält sollte dem Land feindlich gesinnt sein.
Für Nordkorea stellt sich aktuell die Frage: Was ist die beste Sicherheitsgarantie: ein Stück Papier, also ein Vertrag, oder die Bombe?
Sagt ein ehemaliges Mitglied einer Organisation, die im Schreiben von Papieren brilliert. Aber auch nur darin.
Das Problem war doch immer, dass die US-Position so zweideutig ist, dass Pjöngjang Washington nicht trauen kann.
Nee, is klar. Schliesslich sitzt ja die personifizierte Vernunft in Pjöngjang. Blix reitet in seiner Freizeit wohl auch rosa Elefanten.
WELT.de: Ist Libyen, das aus freien Stücken auf Atomwaffen verzichtete, ein Vorbild?
Blix: Gegen Libyen waren jahrlang Sanktionen verhängt. Dann gab es Gespräche auf niedriger Ebene. Am Ende war Stolz der Schlüsselfaktor.
Oder der Unwillen wie Saddam zu verenden.
WELT.de: Was können namentlich die USA jetzt tun?
Blix: Im Jahr 1994 erlaubte Clinton Jimmy Carter, Gespräche mit Kim Il-sung zu führen. Das mündete in einem Dialog, in dessen Folge die Plutoniumproduktion viele Jahre eingestellt wurde. Warum könnte heute nicht etwas Ähnliches versucht werden?
1. Weil alles was Carter involviert unter allen Umständen vermieden gehört.
2. Weil, wie Du es selbst erwähnt hast, das Abkommen gebrochen worden ist. Von den Nordkoreanern. Nenn mir einen guten Grund, den Nordkoreaner noch etwas zum brechen zu geben. Als wäre Seoul nicht genug.
Zum Beispiel mit dem früheren US-Außenminister James Baker. Baker sagte, es sein kein Appeasement, mit seinen Gegnern zu reden?
Wenn es über seine Kapitulation geht. Richtig.
WELT.de: Ist die Nonproliferation tot?
Blix: Nein, ich denke nicht. Das Gerede vom Tod des Atomwaffensperrvertrags ist in höchstem Maße übertrieben. Praktisch alle Staaten der Welt - außer Pakistan, Indien, Israel und Nordkorea - sind ihm beigetreten.
Und alle haben die Menschenrechtskonventionen unterschrieben. Merkst’ was?
Nordkorea und der Iran sind offen für Verhandlungen.
Nur gibt’s nix zum verhandeln. Kein Unsinn mit Atom. Ende des Gespräches.
Wie können die USA verlangen, dass Nordkorea keine Waffen mehr testet, wie sie es gerade in der UN-Resolution gefordert haben, wenn sie selbst nicht bereit sind, sich dazu zu verpflichten?
Indem sie keinen irren Elvis-Imitator mit der grössten Porno-Sammlung der Welt als Staatsoberhaupt haben.
Da die USA den Teststoppvertrag nicht ratifiziert haben, wird es China ebenfalls nicht tun. Die USA haben den Schlüssel in der Hand.
Aber deswegen China anzuschnauzen ist keine Idee für Hänschen, oder?
WELT.de: Kann die UN-Resolution gegen Nordkorea etwas bringen?
Blix: Da bin ich pessimistisch.
Schön, dass es wenigstens bis zu ihm durchgedrungen ist, wie nützlich der Verein ist.
Die Resolution ist in einem harschen Ton gehalten, um die öffentliche Meinung vor allem in den USA und Japan, aber auch in China zu beruhigen.
Natürlich. Nicht weil die gefährlichste Waffe der Welt in den Händen des mächtigsten Verrückten vielleicht reizen kann.
Aber die eigentlichen Druckmittel sind schwach.
Richtig. Was nimmt man einem Land weg, das nichts hat?
Anders als beim Iran, wo der Westen eine Aussetzung der Urananreichung vor Aufnahme von Gesprächen verlangte, sollten Gespräche keine Vorbedingungen haben. Der bessere Kurs wäre zu deeskalieren, indem man Nord- korea eine Sicherheitsgarantie anbietet. Die USA und Japan sollten zudem den Teststoppvertrag ratifizieren, und Washington sollte einen hochrangigen Gesandten nach Pjöngjang schicken, um mit dem Norden in einen Dialog zu treten.
Um auch allen zu signalisieren: Lasst irgendwo irgendwas hochgehen und wir kommen, räumen auf, geben euch Blowjobs und machen auch sonst alles was ihr verlangt. Who’s first?
(Dank an FDR für den Hinweis auf das Interview)