Amnesty International scheint ihr Ziel zu erreicht haben. Nach dem mittlerweile berühmten Gulag-Vergleich wurden die neuen Mitgliederschaften bei der Organisation verdoppelt und man erhielt fünfmal mehr Spenden als üblich. Wie überraschend. Der Direktor von Amnesty USA, William Schulz, bestätigte dies auch indrekt bei Fox News, wo er erklärte, dass er nie dieses Interview geben dürfte, hätte Irene Zubaida Khan nie die Gleichstellung von Guantanamo und den Gulags geäussert. Auch sie selbst meinte, man wollte einfach eine »starke Message« senden, fügt aber im gleichen Atemzug dann doch nach, dass Guantanamo die grössten Menschenrechtsskandale wachruft.
Guantanamo soll also ein Gulag unserer Zeit sein. Dann leben wir in ausserodrendlich guten Zeiten, denn ich bin bereit, mein letztes Hemd darauf zu verwetten, dass jeder einzelne der 25 Millionen Häftlinge der Soviet-Gulags, ohne zu zögern Guantanamo gewählt hätte, wenn sie denn bloss die Möglichkeit gehabt hätten. Doch diese Gelgenheit gab ihnen leider niemand und so wurden sie systematisch geschlagen, bei inhumanen Bedingungen irgendwo in Sybiren arbeiten gelassen und in den Tod getrieben. Grösstenteils waren es politische Gefangene, Autoren, Dissidenten. Unschludige also, welche zudem noch dem Soviet-System als Arbeitssklaven dienen mussten.
Dagegen sitzen in Guantanamo ungefähr 600 Häftlinge, von welchen die meisten im Kampf, auf Grund von engen Kontakten zur Al-Quida oder weil sie Mitglieder von der Terror-Organisation waren festgenommen wurden. Also ganz und gar nicht unschuldig. Auch zum Arbeiten zwingt sie niemand. Die Haftbedingungen sind so abartig wie sie oft beschrieben werden nicht. In seinem Buch Inside the Wire über die sechs Monate in Guantanamo, welche er als Unteroffizier der US-Armee dort verbrachte, beschreibt er unter anderem die Zellen. Jede hatte ein auf geringer Höhe installiertes Abwaschbecken um es den Häftlingen leichter zu machen, sich vor dem Gebet die Füsse zu waschen. Fünfmal am Tag wurde zu ebenjenem gerufen, die Biblothek(!) in Guantanamo beass unzähle Jihad-Bücher und in jeder Zelle befand sich ein auf Mekka zeigender Pfeil. Leuten, die aktiv gegen die USA kämpften und auch vor hatten, amerikanische Bürger umzubringen, solches zu gewähren, zeugt von allem möglichem und unmöglichem, aber nicht von religiöser Intoleranz oder Respektlosigkeit gegenüber dem Glauben der Insassen.
Da hilft all das Geschrei um die Fälle der Koran-Misshandlung nichts. Vier Fälle, weit entfernt von dem Herunterspülen eines Buches in einer Toilette. Bei 1600 heiligen moslemischen Büchern, welche nicht-moslemische Soldaten übrigens nur mit Handschuhen anfassten und für welche ein Netz in jeder Zelle montiert wurde, damit diese nicht auf dem Boden liegen mussten, gibt dies nicht genug Stoff für einen Skandal her. Dennoch fordern viele, wie zum Beispiel der ägyptische Aussenminister und der demokratische Senator Joseph Biden, drastische Konsequenzen für Soldaten, welche den Koran misshandelt haben, obwohl dies nicht mit Absicht geschah. Gegen die Häftlinge, ganze 15, welche Seiten aus dem Koran herausrissen und versuchten den Koran herunterzuspülen, wird kein Vorgehen gefordert, auch erklärt man gegen diese keinen Jihad. Dies ist ja noch verständlich, es ist bloss ein Buch, aber nichts ist entlarvender, als dass aus nicht mehr als einem misshandeltem Koran pro Jahr durch die USA, ein grösserer Skandal gemacht wird, als um - sagen wir einmal - die Zerstörung einer Moschee in Zimbabwe (das hat Robert Mugabe tatsächlich gemacht; Nebenbei zerstöre er aber auch das ganze Dorf) oder die Selbstmordattentäter welche sich in Moscheen und Muslime in die Luft jagen.
Deshalb sind die Stimmen, welche Guantanamo ganz schliessen wollen, absurd. Natürlich, Gitmo ist nicht Shangri-La, aber das ist nicht der Zweck der Sache: Es ist eine Tatsache, dass durch die Verhöre auf Kuba Terroranschläge verhindert hat und wichtige Informationen für die weitere Bekämpfung der Terroristen gewonnen hat. Diese Stimmen, welche von New York Times-Koluminst Thomas L. Friedman bis zum Ex-Präsidenten Jimmy Carter reichen, meinen, das negative Bild der USA im Ausland würde sich schlagartig verbessern, wenn man bloss Guantanamo schliessen würde. Ich habe nun relativ lange darüber nachgedacht, aber etwas naiveres fiel mir beim besten Willen nicht ein. Antiamerikanismus ist - und eigentlich müssten diese Herren dies wissen - ungefähr gleich alt wie Amerika selbst. Die Rekrutierer der Jihadis finden immer einen Grund. Die Menschenrechte sind aber ganz sicher keiner davon, schon alleine weil sie diese selbst ignorieren. Und dies ist nicht bloss eine Behaputung: Als die Berichte über Misshandlungen von Menschen in amerikanischen Militärgefängnissen auftauchten, rührte die arabische Welt nicht einmal mit dem kleinen Finger, denn sie sind - so traurig es auch ist - von ihren Länder viel schlimmeres als die schlimmsten Behauptungen, welche über die Zustände in US-Gefängnissen geäussert wurden, gewohnt. Als aber das heilige Buch der Moslems misshandelt wurde, kochte die arabische Strasse, weshalb der dortige Antiamerikanismus mit Gottlosigkeit, mangeldem Respekt gegenüber dem Islam und Verschwörung mit dem zionistischem Feind gefüttert wird, woraus dann die Jihadis rekrutiert werden. Guantanamo spielt keine Rolle. Wenn sie ihre Opfer, bevor sie ihnen den Kopf abhacken, in orange Anzüge stecken, dann bloss weil sie ganz genau wissen, dass die westliche Welt sofort aufschreien und versuchen wird zu verstehen, wo man denn genau die Terroristen so gedemütigt hat, dass sie solche Taten begehen. Und wenn man Guantanamo schliessen würde, dann würde der 11. September durch Allahs Willen wieder rückgängig gemacht werden. Oder auch nicht. Man weiss es nicht, aber auf alle Fälle lässt man sich ablenken: Plötzlich ist nicht das Kopfabhacken, das Hochjagen von Schulen, das Einschüchtern einer ganzen Bevölkerung schlimm, sondern ein Akt ver Verteidigung und das grösste Menschenrechtsverbrechen ist Guantanamo, nicht das Töten von unschuldigen Zivilisten.
Man darf keinesfalls den Fehler begehen und sagen, die USA könnten ruhig Menschenrechte ignorieren, weil die Mullahs in Teheran oder Doktor Stromschlag aus Nordkorea es tun. Falscher könnte dies nicht sein. Das Problem mit dem Fokus auf die Vereinigten Staaten von Amerika ist, dass dadurch der Eindruck erweckt wird, man könnte sich nicht schlimmer als die Amerikaner verhalten und die brutalen Diktaturen ignoriert werden. Wären nicht etwa eher die Methoden der Mullahs in Teheran ins Licht zu rücken? Europa Diskussionespartner haben nämlich keine Skrupel Journalisten, die am falschen Ort ein Bild machen, zu Tode zu foltern. Fast noch brutaler geht man gegen nationale Dissidenten vor: Man tötet sie zwar nicht, foltert sie aber fast bis zum Tode und lässt sie dann frei, damit auch alle Freunde, die ganze Familie und alle anderen Regierungsuntreuen sehen können, was passiert, wenn man der Teheraner Linie nicht folgt. Selbst Sean Penn, welcher über die »Wahlen« »berichtet«, eigentlich jemand, dem die Mullahs die Füsse küssen müssten, wurde seiner Kamera für kurze Zeit entledigt. Da wäre zum Beispiel auch Nordkorea, wo tatsächich Gulags vom lieben Führer betrieben werden. Oder auch der Sudan: Noch immer sind Vergewaltigungen der schwarzen Bevölkerung durch die arabischen Janjaweed, welche ihre Ambitionen gar nicht verstecken. Sie wollen die Schwarzen »auslöschen.«, Frauen werden vergewaltigt, Männer sofort umgebracht.
Gerade im Sudan würde internationale Aufmerksamkeit etwas bewirken. Stellt euch einmal vor, Amnesty hätte anstatt Guantanamo mit dem Gulag verglichen, den Sudan explizit hervorgehoben, die Riesenanzahl von Morden und Vergewaltigungen hervorgehoben. Eine solche Ignoranz, mit welcher man zur Zeit diese grösste Katastrophe dieses Jahrhunderts beobachtet, wäre vielleicht endlich peinlich geworden. Vielleicht hätte die UNO sich endlich zusammengerissen, wäre irgendwie um die chinesischen Vetos herumgekommen, welche um ihr Öl im Sudan bangen und hätte eine Eingreiftruppe auf die Beine gestellt. Wenn nicht die UNO, dann vielleicht eine sonstige Koalition. Vielleicht kämen dann aus Washington, welches wenigstens als einzige Regierung den Genozid, Genzid nennt, mehr als diese Worte. Dies hätte Wirkung: Die einzigen Dörfer, welche momentan heil gelassen werden, sind jene, die von der Afrikanischen Union bewacht werden. Nur kann diese nicht überall sein. Amnesty hat eine einzigartige Chance verpasst, ihren Einfluss dafür zu benutzen, Tausende von Leben zu retten. Sie zogen vor, einer antiamerikanischen Ideologie nachzugeben.
Was ist also das Resultat der Geschichte? Nichts! Amnesty hat mit diesem verrückten, vor historischer Dummheit schreiendem Vergleich im Bezug auf Amerika endgültig ihre Glaubwürdigkeit verloren, wenn sie dies nicht schon vorher taten, als sie Donald Rumsfeld »Tortur-Architekten« bezeichneten und nun eingestehen mussten, dass sie »keine Ahnung« haben was wirklich vorgeht, aber sie es »faszinierd« finden würden, herauszubekommen, was wirklich geschehe. Die US-Regierung zeigte sich höchstens in ihrem Stolz verletzt und Cheney wie auch Rumsfeld erklärten ausdrücklich, dass man nicht einmal daran denken würde, Guantanamo zu schliessen. Vielleicht aber verloren sie aber ihre Glaubwürdigkeit doch noch etwas früher. Am 26. Mai, forderte Amnesty USA nämlich ausländische Regierungen auf, US-Offizielle, darunter Donald Rumsfeld, zu verhaften und vor Gericht zu bringen. Für Kim Jong Il, die Mullahs von Teheran, Augenarzt Assad und ähnliche Kriminelle liegt eine solche Forderung nicht vor. Wahrscheinlich weil Amnesty keine Positionen beziehen will, quasi wie die Schweiz neutral bleiben muss um zu überleben.