Samstag, 12. Mai 2007
Vamprie im Sonnenlicht
Blended. Lange hat mich eine Zeitungslektüre nicht mehr sooo amüsiert. Wirklich, Weltklasse. Die Schweizer sind auf 180 (und das kommt selten vor!) und unsere Nachmittagsgratiszeitung heute dokumentiert dies kopfnickend.
Zuerst, im »News«-Teil, kommt eine ganz wichtige Persönichkeit zu Wort, die Musik-»Expertin«, der, festhalten bitte, Malta Times. Sie plädiert, ohne mit der Wimper zu zucken, für eine Aufteilung des Contests in zwei, schliesslich, so der stellvertretende(!) Chefredakteur(!!) der andorranischen(!!!) Bon Dia, die Ost-Staaten haben sich gegen den Westen verschworen. I kid you not.
Aber, immer schlimmer als die Medien ist der Pöbel und der fährt ganz grosse Maschinerie auf. Ganz ganz Grosse.
Ein anonymer Rock-Musiker aus der Ost-Schweiz (Ironie wahrscheinlich ungewollt), beschwert sich, was ihm als »Musikschaffendem« gestern angetan wurde. Es sei unhaltbar.
Fridu (heisst wirklich so) aus Effretikon (der Beweis, dass er wirklich so heisst) meint, dass mit unseren EU-Osteuropa-Beiträgen, sich die Primitivlinge wirklich Telefone zum Abstimmen gekauft haben. Der Mann wohnt in Effretikon, der meint das. Und: Ich wusste nicht, dass der von seiner Sozialhilfe die Ost-Beiträge mitfinanziert.
Andrea ist 41 und will sich nicht über das Verhalten der Ostblöckler in der Schweiz äussern. Sie meint zwar die Leute aus dem Balkan, die überhaupt nicht im Osten sind, aber das kann sie mit einem IQ knapp über jenem einer Bobo-Chiwaua-PLatte nicht wissen. Wir verzeihen.
Esthi, 32, wohnt in Zürich und da sie gestern mit ihrer Kollegin das Eurovisionshalbfinale geguckt hat, ist sie wohl frustrierter Single. Auf jeden Fall wird sie jetzt das Finale nicht verfolgen, denn es wird lächerlich sein. Das weiss sie. Ich weiss, dass sie mit einer Drei-Kilo-M-Budget-Glacé-Packung vor dem Fernseher sitzen wird.
Rick, 40, aus dem Aargau (tönt für Schweizer wie Otto, 47, aus Ostfriesland) will das Schweizer Fernsehen mit Mails zubombardieren, damit die diese Skandalsendung nicht unterstützen!
Wie man so schön auf Englisch sagt, I don’t mean to give a shit, it’s just that… Dass es doch ganz beeindruckend ist, was für Emotionen, ganz nahe am Rassismus teilweise, eine Fernsehsendung auslösen kann. Dass Worte wir der eiserne Vorhang, den die Generation meiner Eltern zu spüren bekam, so ins lächerliche gezogen wird. Dass man sich plötzlich über eine Volksgruppe beschwert, die sich grossartig integriert, niemandem ihre Kultur aufzwingt.
