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Dienstag, 21. März 2006

Heile dich, Deutschland!

In Deutschland herrscht ein tief verwurzeltes anti-amerikanisches Ressentiment. Laut dem Pew Resarch Center haben zwei von drei Deutschen ein negatives Bild von den Vereinigten Staaten von Amerika. Viele werfen in diesem Moment ein, dass dies ausschliesslich etwas mit dem wilden Cowboy aus Texas zu tun hat. Dies stimmt leider nicht. Wäre dem so, würde man an den so genannten Friedensdemos keine brennenden US-Flaggen sehen und jeder in Deutschland lebende Amerikaner wird eine Geschichte erzählen können, wie jemand ihn über die Dummheit seines Volkes belehren wollte. Anti-Amerikanismus begleitet die deutsche Volksseele seit dem ersten Weltkrieg wie kein anderes Ressentiment bis auf den Antisemitismus.

Blicken wir doch zurück. In der Zeit der Unabhängigkeitserklärung Amerikas gab es schon Anti-Amerikanismus, doch es war eher ein französischer Sport und darauf einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Einer der Pioniere des deutschen Ablegers dieses Ressentiments war der Poet Nikolaus Lenau. Dieser ging in den 30er-Jahren des 19ten Jahrhundertes nach Amerika und hatte seine Rückkehr schon vorher geplant. Als er zurückkehrte behauptete er, dass seine Auswanderung gescheitert. Als Grund führte er auf, dass in Amerika alles »bodenlos« war, vor allem die politischen Institutionen, die bloss der Geldverwaltung dienten im Gegensatz zum deutschen Staat, der für ihn »wie ein Vater« war. Seine Reise hatte ihn »geheilt« von der Idee, dass Freiheit und Unabhängigkeit etwas Gutes wären. Die richtige Freiheit würde sich im Herzen befinden, meinte er. Auch die aus Frankreich bekannte Idee, vom Comte de Buffon hervorgebracht, dass in Amerika alles »degenriert,« verbreitete er in Deutschland: Es hatte für ihn eine »tiefe Bedeutung,« dass der Nachtigall nicht bis in die USA kam, ein poetischer Fluch. Heinrich Heine erkannte im Land jenseits des Ozeans ein fürchterliches Freiheitsgefängnis, wo ihn die unsichtbaren Ketten, mehr bedrückten, als jene zu Hause. Im Gegensatz dazu stand Paris, die »Stadt der Freiheit.« Ihm zufolge war der Dollar Amerikas »einziger, allmächtiger Gott.« Schon damals hatte man Angst vor der »Amerikanisierung«: Der Erfinder des Ausdruckes »Altes Europa« - nein, nicht Donald Rumsfeld, sondern Friedrich Nietzsche - warnte: »Die Zunkunft Europas ist auch jene Amerikas!«

Doch zum Volke kam der Anti-Amerikanismus erst mit dem Ende des ersten Weltkrieges, denn wie heute so gut wie niemand weiss, was und warum Habermas schreibt, wusste die Bevölkerung nicht viel von Heine und Lenau. Wilson war das Objekt des Hasses, denn er soll das Zünglein an der Waage gewesen sein bei der Niederlage. Laut Sigmund Freud war er »einfach paranoid«. In seinen 14 Punkten sah man eine jüdische Verschwörung und auf Juden waren die Europäer im allgemeinen schlecht zu sprechen. Der Dawls-Plan, der die goldenen Zwanziger nach Deutschland brachte wurde als Anfang der ökonomischen Versklavung und Ausbeutung durch Amerika empfunden.

Dann kam Adolf. Er verachetete den amerikanischen Melting-Pot, 1935 verbot er Jazz und Swing als »Niggerei«, musste ihn aber später doch spielen, damit die deutschen Soldaten nicht amerikanische Sender hörten. Selbst die Nazis konnten also der amerikanischen Kultur entkommen. Auch der Technologie nicht: Ferdinand Porsche besuchte noch 1936 Amerika um etwas über die Massenproduktion für den Volkswagen zu lernen. Die Nazis sahen sich, wie viele heute, trotzdem als Gegenstück zu Amerika und nicht nur in der Mehrheitsmeinung von heute, sondern auch in jener von Hitler waren die Amerikaner geldgeil und dumm. Die Idee, dass die Juden Amerika kontrollieren, die oft in Verschwörungstheorien (»USrael«) auf Friedensdemos auftaucht, stammt vom Nazi-Propagandaoffizier Wirsing.

Es ist mehr als offensichtlich, dass sich die Meinung nach dem Ende des zweiten Weltkrieg nicht änderte. Man hatte wieder einen Krieg wegen dem Ami verloren. So etwas kratzt am Nationstolz. Es half nicht, dass anfangs Politikwissenschaft von Amerikanern gelehrt wurde und dass sich der Glaube verankerte, dass Amerika da wäre um ihr seelenloses, kapitalistisches System den moralisch überlegenen Deutschen aufzudrücken. Dass dies kein vergänglicher Glaube war, zeigt Rolf Winters erfolgreiches Buch Ami go home: Plädoyer für den Abschied von einem gewalttätigen Land aus dem Jahre 1989, in dem er Deutschland als amerikanisches Produkt beschreibt.

Schnell realisierte man auch, welche Greueltaten die Nazis im Namen Deutschlands begangen haben. Dies markiert den Beginn der Nazi-Amerika-Vergleiche. Heine erfreute sich 1946, dass »die Kriminellen und Profiteure, Sadisten und Gangster nicht mehr Deutsch sprechen, sondern Amerikaner sind.« Der soeben erwähnte Rolf Winter behauptete, dass der Nazismus keine deutsche Idee war, sondern bloss eine Kopie der Amerikaner wären, die damals die Urbevölkerung abgeschlachtet hatten. Detlef Hartmanns in den 70ern populärer Theorie zufolge spielte es sich anders herum ab: Die Amis übernahmen einfach die Weltherrschaftspläne der Nazis. Wie simpel!

Aus DDR kommt ein anderes Muster. 1950 verbreitete die Staatspropaganda dort die Lüge, dass amerikanische Kriegsflugzeuge die Kartoffelkäfer für die schlimme Plage abgeworfen hatten und zwar nicht nur um das heroische ostdeutsche Volk verhungern zu lassen, sondern um die DDR zu zwingen, amerikanische Chemieprodukte zur Bekämpfung der Plage zu kaufen. Dies inspirierte Brecht zu einer Poesie über Amiflieger über Feldern von verhungernden Kindern. Welch ein Glück, dass heute niemand mehr insinuiert, dass die Amerikaner etwas bomben um es wiederaufzubauen!

In der Zeit um den schmutzigen Vietnam-Krieg erhielt Deutschland, was es seit Kriegsende 1945 verzweifelt suchte: Den Beweis für die teuflischen Intentionen Amerikas. Magnus Enzensberger, Mitglied der Gruppe 47 (Günther Grass, der sich schämt, dass Deutschland ein Verbündeter Amerikas ist, war das prominenteste Mitglied), erklärte die USA von den 60ern zum Deutschland der 30er-Jahre und die Demonstranten schlossen mit der Vergangenheit: US - SS - SA. Hitler wurde Amerikaner.

Dennoch war die Abneigung gegenüber Amerika in der Phase des Kalten Krieges historisch gesehen trotz allem am geringsten, denn auf der anderen Seite lauerte der Gulag und Sozialismus in der Praxis war tatsächlich wünschenswert, aber nur wenn er andere traf. Doch dann erschien Ronald Reagan. Die Mauer fiel. Die Soviet-Union fiel. Die Welt war unipolar. Amerika blieb die einzige Macht. Und Macht mag man nur wenn man sie besitzt. Deutlich wird dies an den Beliebtheitswerten Amerikas in Frankreich (mir liegen leider keine Zahlen für Deutschland vor, aber da sie heute ungefähr diesselben wie in Frankreich sind, sollten die Französischen auch auf Deutschland anwendbar sein): Unter Reagan hatten über 50% der Franzosen eine positive Meinung von Amerika, unter Clinton nur noch über 30%. Und das obwohl er eine Liebhaberin hatte! Offensichtlich brauchte man sich nicht mehr zurückzuhalten und man konnte alles rauslassen.

Wie sieht die Lage heute aus? Die Vergangenheitsbewältigung mit den Amerika-Nazi-Vergleichen ist immer noch in vollem Gange. Mit Michael Moore hat man sich einen Vorzeigeamerikaner geschnappt, der einem die Klischees vom kulturlosen Amerikaner bestätigt, er gibt auch Mut und die Möglichkeit einmal die Good Guys der Geschichte zu sein, im Kampf gegen die teuflischen Amerikaner. Die Medien und Intellektuellen versuchen bei jedem Militäreinsatz der Amerikaner ein neues Vietnam heraufzubeschwören; man will den Ami wieder auf den Knien sehen. Verschwörungstheorien die dem Muster der DDR’schen Kartoffelkäferplage folgen sind immer noch hoch im Kurs. Am Abend des 11. Septembers 2001 konnte sich der Spiegel Online kaum noch in Grenzen halten, titelte »Der Gigant ist verletzbar,« und stellte sofort klar, dass wie auch immer der amerikanische Präsident reagieren würde, die Welt nicht friedlicher werden würde. Nicht einmal einen halben Tag später waren die USA wieder der Agressor. Und den europäischen Intellektuellen um Habermas fiel nichts besseres ein, als eine europäische Identität rund um die anti-amerikanischen Proteste vom 15. Februar 2003 zu definieren: Das Beste was dem deutschen Vordenker also einfiel war, dass Europa nicht Amerika sein sollte. Das wollte schon ein Anderer verhindern.

Ist denn alles verloren? Wird Amerika auf immer und ewig gehasst werden? Die Antwort ist, trotz dieser düsterer Analyse, glücklicherweise: Nein! Warum? Weil der Grossteil der Bevölkerung Amerika liebt ohne es wirklich zu wissen. Obwohl den USA vorgeworfen wird kulturlos zu sein, sind amerikanische Filme die mit Abstand beliebtesten. Alle bevorzugten Fernsehformate kommen aus Amerika. Deutschlands Lieblingsentertainer, Harald Schmidt, ist ein Abklatsch der amerikanischen Late Night-Shows. McDonald’s spriessen immer noch wie Pilze aus dem Boden. Starbucks hält immer weiter Einzug, obwohl die Amerikaner angeblich keinen Kaffee machen können. Nike droht immer noch keine Pleite. Selbst um Amerika zu kritisieren, braucht man wie schon erwähnt einen Amerikaner. Über die Wahlkämpfe in den USA macht man sich lustig, die Idee der Debatten übernahm man. Wir feiern sogar Halloween, immer mehr 4×4 im US-Style verkehren auf unseren Strassen und die Demokratie ist keine deutsche Erfindung. Der Punkt ist: Jeder Aspekt von Amerika - sei es Unterhaltung, Kultur, Nahrung, Technologie, Lifestyle - den die Deutschen selbst erleben und ausprobieren konnten, ist überwältigend akzeptiert worden. Was hingegen abgelehnt wird ist die Gesellschaft, die Politik und leider auch die Menschen. Alles Sachen worüber die Deutschen keine Informationen aus erster Hand haben; sie verlassen sich auf die Meinungen von Intellektuellen, Medien und oft von Amerikanern, die in Amerika für zumindest leicht verrückt gehalten werden. So kommt es also, dass die Deutschen heute immer noch das Bild vom Ami haben, das sie haben. Der einzige Amerikaner den sie kennen ist Michael Moore. Und der ist wie? Genau! Dick und doof…

Dieser Beitrag basiert auf meiner englischsprachigen Arbeit Anti-Americanism in Europe: a historic disease, die demnächst veröffentlicht wird. Er ist auch ein Beitrag für den Blog Karneval zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen.

15 Kommentare zu “Heile dich, Deutschland!”

  1. Olaf Petersen sagte:

    Wer einmal in die USA reist und Washington DC besucht, sollte einmal das Pentagon besuchen - das liegt natürlich, genau genommen, im benachbarten Alexandria, aber sei’s drum. Das Pentagon besitzt eine eigene U-Bahnstation und dort gibt es einen grossen Buchladen. In diesem Buchladen wiederum findet man die wohl grösste Sammlung ‘anti-amerikanischer’ Literatur, die man vermutlich jemals auf einem Haufen zu Gesicht bekommen wird. Aber europäische, gar deutsche Autoren, sind darunter so selten wie Perlen in der Wüste.

    Anti-Amerikanismus und Verschwörungstheorien sind in den USA seit langem ein etablierter Bestandteil der Literatur, sind big business. So erstaunt es natürlich nicht, dass auch die meisten deutschen Vertreter dieser Branche sich regelmässig auf amerikanische Quellen berufen. Ob es Chomsky oder Moore sind, ob Polit-Thriller aus Hollywood - die amerikanischen Exporte nach Europa erreichen jedes Jahr neue Höchstmarken. US-Verschwörungswebsites wie Paranoia oder Fraktali haben gar schon vor Jahren begonnen, deutsche Übersetzungen ihrer dubiosen Theorien anzubieten.

    Ich persönlich finde es schon ziemlich smart von den Amerikanern, dass sie einen Weg gefunden haben, selbst denen noch das Geld aus der Tasche zu ziehen, die Amerika nicht mögen. Aber andererseits empfinde ich es auch als Heuchelei, wenn manche Amerikaner sich hinterher künstlich ob der Effekte aufregen, den diese Exporte unweigerlich haben müssen.

  2. Joerg sagte:

    Hi Greg,
    toll, dass Du beim Karneval mitmachst.
    “Anti-Americanism in Europe: a historic disease” klingt sehr interessant. (Markovits Aufsatz zu diesem Thema kennst Du, oder?)

    Gibt es sowas wie eine preview oder ein Abstrakt von Deiner englischsprachigen Arbeit, zu dem ich verlinken kann? Waere insbesondere fuer jene spannend, die nicht so gut deutsch koennnen. Oder soll ich schreiben, dass sie in zwei, drei Wochen (?) mehr dazu auf Deinem Blog finden werden?

  3. Dirk sagte:

    Das Dorf hasst die moderne Stadt, das ist schon immer so gewesen.

    Aber ich habe mittlerweile meinen Frieden mit dem europäischen Antiamerikanismus gefunden. Besser Europa ist vereint im Hass gegen Amerika (genau dieser scheint ja mttlerweile das Projekt Europa, i.e. die EU auszumachen), als dass die europäischen Länder sich gegenseitig hassen und übereinander herfallen. Die Amerikaner bewahren uns ein fünftes Mal, nach dem 1. und 2. Wk, nach dem Kalten Krieg und dem Kampf gegen den Terrorismus, vor der Scheisse. Durch sie, bekriegt sich Europa nicht. Gäbe es nicht Amerika, hätte Deutschland längst Spanien angegriffen, weil es seine CO2 Emissionen in den letzen Jahren um 50% gesteigert hat.

  4. Fuchur sagte:

    Dass die Europäer und ganz besonders die Deutschen die Amerikaner schon immer gehasst hätten, hat sich mittlerweile zu einem unumstößlichen Glaubensgrundsatz bei den Bush-Anhängern entwickelt.
    Ich habe noch nie irgendeinen überzeugenden Beleg für diese These gesehen; die meisten bringen nur irgendwelche Anekdoten.

    Die einzigen Zahlen, die ich kenne, stammen ebenfalls aus einer Studie des PEW institute (evtl. sogar derselben, die du zitierst?). Dort werden die “US favorability ratings” der einzelnen Länder über die Jahre aufgeführt:

    99/00 sahen 78% der Deutschen die US “favorable”

    (Das ist ein ziemlich hoher Wert; zum Vergleich: 83% der Briten; 71% der Canadier. )
    Aber dann fällt es ab:

    Summer 2002: 61%
    March 2003: 25%
    May 2003: 45%
    March 2004: 38%

    Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen:

    1. Die Gründe für den gegenwärtigen anti-Amerikanismus sind in der Tat Bush, Afghanistan und Irak

    2. Das Argument, dass es anti-Amerikanismus “schon immer gegeben” habe, ist ziemlich scheinheilig: Ein Land, in dem 80% die USA positiv sehen, ist definitiv pro-amerikanisch. Aber selbst dann bleiben noch 20% übrig, die die USA mehr oder weniger negativ sehen: Die Behauptung, dass es anti-A. schon immer gegeben habe, bleibt also eigentlich immer korrekt. Sie ist also auch ganz und gar nicht aussagekräftig.

  5. Greg sagte:

    Es gibt Umfragen, bei welchen die Favorability Ratings dieselben in den 90ern waren wie heute.

    Ausserdem sollten die moralisch überlegenen Deutschen vielleicht davon absehen, sich ein negatives Bild von einem ganzen Land und einer ganzen Bevölkerung zu machen wegen der Politik des Präsidenten. Es gibt keinen einzigen Grund anders auf Amerika zu schauen. Ich halte Chirac für einen Vollidioten, deswegen habe ich doch noch lange kein negatives Bild. Dasselbe gilt für den Iran und prinzipiell jedes Land.

    Und Leute wie Andrei S. Markovits würden dich wohl bei lebendigem Leibe fressen, wenn Du ihnen sagen würdest, sie wären Bush-Anhänger…

  6. Kane sagte:

    Greg.Es bringt nichts sich mit Anti-Amerikanern über Anti-Amerikanismus zu streiten.
    Sie glauben bestimt ganz ehrlich, dass sie nicht antiamerikanisch sind. Vieles was in den Medien antiamerikanisch gezeigt wird, entspricht ihren Weltbild und sie denken, dass es wirklich so ist.

    Es ist fast so ähnlich wenn du dich mit einem Sektenanhänger über seinen Aberglauben unterhälst.
    Oder sprich mal mit einem Ku Klux Klan Mitglied. Dieser sieht sich nicht als einen Rassisten. Er wird behaupten, dass er nur Fakten nennt und dass sein Handeln keinesfalls rassistisch sei.( “er verteidigt sich nur gegen …”)

  7. Fuchur sagte:

    “Es gibt Umfragen, bei welchen die Favorability Ratings dieselben in den 90ern waren wie heute.”

    Naja, 1999 ist auch noch in den 90ern. Vielleicht gab es ja während des Golfkriegs eine Delle? Aber das wäre ja wieder ein Zeichen dafür, dass Antiamerikanismus v.a. von der aktuellen Politik abhängt, und eben kein grundsätzliches Phänomen ist, wie du behauptest.

    Lenau, Buffon, Heine, WWI+II, die Nazis, die Sozis, Vietnam - wenn das wirklich die Gründe für den deutschen Antiamerikanismus sind: Wie kamen dann 1999/2000 die 78% favorability für Amerika zustande?
    Vielleicht war das ein außergewöhnlicher Ausreißer nach oben - aber weswegen?. Oder die Zahl stimmt nicht - dann muss man aber auch andere Zahlen vorlegen.

    Es wäre wirklich interessant, die favorability ratings mal über einen längeren Zeitraum zu sehen. Leider hab ich keine Ahnung, wo man die herkriegen könnte (und keine Zeit, länger zu suchen).

    Ich sehe grade, dass sie in der PEW Studie weitergefragt haben, wenn jemand “unfavorable” angegeben hat (”What´s the problem with the US?”): In Deutschland sagten 65% “mostly Bush”, und 29% “America in general”.

    Die ganzen Dinge, von denen du redest, mögen eine Rolle spielen. Aber DER Hauptgrund für die momentane Stimmung ist eben doch George W. Bush.

  8. Greg sagte:

    Entschuldige, Bush ist höchstens der Blitzableiter. Viele Anti-Amerikaner - genau wie Anti-Semiten - verstecken sich feige hinter Kritik der Politik der Länder. Wie gesagt, gegen PEWs Zahlen stehen jene aus Jean-Jaques Revels Obsession anti-américaine: Beliebtheitswerte der USA in Frankreich (Gründe warum dies in Deutschland anders sein sollte, gibt es im Anbetracht der anderen Zahlen nicht) unter Reagan über 50%, unter Clinton unter 30%.

    Aktuelle Politik mag ein Faktor sein, das bestreite ich nicht, es ist bloss nicht der Hauptfaktor. Wie schon oben erwähnt, man hat kein negatives Bild von einem Land wegen dem Präsidenten des Landes. Ich habe noch niemanden herausposaunen gehört, dass die Iraner strohdumm wären… Verstehst Du was ich meine?

  9. Joerg sagte:

    Die meisten haben eine positivere Meinung von den Amerikanern als von der US Politik. Ich wuerde auch nicht die Deutschen als mehrheitlich anti-amerikanisch sehen, aber der Trend geht zu einer Personalisierung, also den Amis die Schuld für die Politik ihres Landes zu geben mehr. Mehr hier:
    http://atlanticreview.org/archives/79-Anti-Americanism-is-becoming-entrenched,-and-getting-more-personal.html

  10. Fuchur sagte:

    Ich geb dir völlig recht, dass es doof ist, wegen des Präsidenten ein negatives Bild vom ganzen Land zu haben (aber seit wann ist das ein Argument? ;-) )
    Wie oben gesagt: 65% der Leute, die ein negatives USA-Bild hatten, haben “mostly Bush” als Grund dafür angegeben.

    Ich sehe keinen Widerspruch durch Revels Zahlen. I.G., sie scheinen mir eher meine These zu stützen: Wenn der Antiamerikanismus nicht so sehr mit der aktuellen Politik zu tun hat, dann müssten die (Un)Beliebtheitswerte ja mehr oder weniger konstant bleiben, oder?

    Der Vollständigkeit halber:
    US favorability ratings from France (PEW):
    99/00: 62%
    Summer 03: 68%
    March 03: 31%
    May 03: 43%
    March 04: 37%

  11. Greg sagte:

    »Ich geb dir völlig recht, dass es doof ist, wegen des Präsidenten ein negatives Bild vom ganzen Land zu haben (aber seit wann ist das ein Argument? ;-) )«
    Das ist kein Argument, dass ist eine Aussage. Wenn die Deutschen tatsächlich ein negatives Bild von Amerika als Land wegen Bush haben, ist ihnen wirklich nicht mehr zu helfen. Und ich habe es versucht.

    »Ich sehe keinen Widerspruch durch Revels Zahlen. I.G., sie scheinen mir eher meine These zu stützen: Wenn der Antiamerikanismus nicht so sehr mit der aktuellen Politik zu tun hat, dann müssten die (Un)Beliebtheitswerte ja mehr oder weniger konstant bleiben, oder?«
    Du willst mir also klar machen, dass Reagan, der Cowboy, beliebter war, als Clinton, der Amant? Den Unterschied zwischen den beiden Zahlen habe ich erklärt. Lesen bitte. Punkt war: Revels Zahlen stimmten mit den 2002-2004-Zahlen überein. Auch andere Umfragen scheinen dies so zu zeigen, zum Beispiel eine Facts-Umfrage aus dem Jahre 2003, die Zahlen aus den Jahren davor präsentierte und ein Artikel in der FAZ vom 23. Juli 2003 zitierte eine favorability von 40% in Ostdeutschland und 54% im Westen beim Amtsantritt von Bush. Die Zahlen scheinen also eindeutig zu varieren. Aber zu verneinen, dass in Europa eine antiamerikanische Stimmung herrscht und herrschte ist gelinde gesagt, humorvoll.

    Und selbst wenn es stimmen würde, dass bloss einer von dreien ein negatives Bild von Amerika hat, würde es die Sache besser machen?

  12. Auslaender sagte:

    2 von 3 deutschen sind einfach ueble Rassisten die es nicht wahr haben wollen dass die Rassisten sind.
    Erinnert mich an den Juden in dem Witz mit dem Koffer und seiner Frage: Sind Sie Anti-Semit?

  13. Fuchur sagte:

    “Reagan, der Cowboy, beliebter … als Clinton … ? ”

    Klingt für mich zumindest plausibler als dass die Franzosen plötzlich ihr “tief verwurzeltes anti-amerikanisches Ressentiment” entdeckt hätten, bloß weil der Kalte Krieg vorbei war. Wieso hätten sich die Franzosen denn vorher zurückhalten sollen? Wären sie sonst aus der Nato geflogen, oder was ;-)?

    Selbst dann stehen immer noch die 78% von 99/00 im Raum: Wie erklärst du die mit deiner Theorie?

    Ist halt die Frage, ob die Zahl korrekt ist (aber darüber zu streiten, ist wohl müßig…).

    Warum ich die Aussage, dass “in Europa eine antiamerikanische Stimmung herrscht”, für nicht besonders aussagekräftig halte, hab ich ja schon gesagt.

  14. Libertas Cara » Blog Archive » Amerika alaaf! sagte:

    [...] Als Vorschau auf seine demnächst erscheinende Arbeit “Anti-Americanism in Europe: a historic disease” hat Greg Grabinski den Beitrag “Heile Dich, Deutschland” verfasst. Wie sieht die Lage heute aus? Die Vergangenheitsbewältigung mit den Amerika-Nazi-Vergleichen ist immer noch in vollem Gange. Mit Michael Moore hat man sich einen Vorzeigeamerikaner geschnappt, der einem die Klischees vom kulturlosen Amerikaner bestätigt, er gibt auch Mut und die Möglichkeit einmal die Good Guys der Geschichte zu sein, im Kampf gegen die teuflischen Amerikaner. Die Medien und Intellektuellen versuchen bei jedem Militäreinsatz der Amerikaner ein neues Vietnam heraufzubeschwören; man will den Ami wieder auf den Knien sehen. Verschwörungstheorien die dem Muster der DDR’schen Kartoffelkäferplage folgen sind immer noch hoch im Kurs. Am Abend des 11. Septembers 2001 konnte sich der Spiegel Online kaum noch in Grenzen halten, titelte »Der Gigant ist verletzbar,« und stellte sofort klar, dass wie auch immer der amerikanische Präsident reagieren würde, die Welt nicht friedlicher werden würde. Nicht einmal einen halben Tag später waren die USA wieder der Agressor. Und den europäischen Intellektuellen um Habermas fiel nichts besseres ein, als eine europäische Identität rund um die anti-amerikanischen Proteste vom 15. Februar 2003 zu definieren: Das Beste was dem deutschen Vordenker also einfiel war, dass Europa nicht Amerika sein sollte. Das wollte schon ein Anderer verhindern. [...]

  15. Atlantic Review sagte:

    Carnival of German-American Relations, Second Edition…

    This is a long carnival post, because we received so many excellent submissions about various aspects of our transatlantic relations from both sides of the Atlantic (and the Pacific), in English and in German. We would like to present you the large var…

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