Freitag, 13. Januar 2006
Keine Unterschrift
Diesen an Lächerlichkeit grenzenden Brief haben viele meiner Gleichgesinnten in einem Anflug von etwas nicht näher definiertem unterschrieben. Ich fühle mich gezwungen, klar zu machen, dass ich diesen Brief nicht unterschrieben habe, obwohl die Verfasser explizit darum gebeten haben. Und das zu begründen.
Es scheint als würden die Verfasser eine Art sozialistische Solidarität mit Amerika fordern, ja eine Art 100%-Vote à la Saddam als wären wir Kommunisten. Sie scheinen den Irak-Krieg unterstützt zu haben, weil er von Amerika geführt wurde und nicht weil er richtig war, unabhängig davon, wer ihn führen würde. Und damit bestätigen sie ungewollt, was die Gegenseite schon lange über die pro-Amerikaner erzählt: Dass sie Arschkriecher sind.
Merkels Kritik war noch nicht einmal wirkliche Kritik. Ihre Aussage war auf jeden Fall das Zivilisierteste, das ein deutsches Regierungsmitglied seit langem von sich gegeben hat. Und es deckt sich prinzipiell mit der Einstellung der amerikanischen Regierung: »Auf Dauer« will diese Guantanamo nicht betreiben, sondern hofft dieses Gefängnis irgendwann schliessen zu können, da es ja nicht aus Spass an der Sache betrieben wird.
Kritik an Amerika muss unbedingt gestattet bleiben, doch wenn Amerikas Verteidiger bei so einer Kleinigkeit schon austicken, glaube ich kaum, dass sie die Sache mit der Kritik auch so sehen. Da hilft all das Geschwafel um Differenziertheit auch nicht, sondern ist bigott, da die Verfasser wohl bloss glücklich geworden wären, wenn Merkel gesagt hätte, dass Guantanamo die tollste Institution der Welt ist. Auch scheinen sie zu vergessen, dass sie den Amerikanern mehr Hilfe im Irak versprochen hat. Ist das nicht etwas für die »transatlantischen Beziehungen«? Etwas, das höher einzuschätzen wäre, als das Erwähnen einer Selbstverständlichkeit?
Ja, selbst der amerikanische Präsident himself zeigte sich begeistert von Merkel und schien die kritischen Fragen nicht übel zu nehmen, sondern zu verstehen, dass räsonierte Kritik genau das ist, was Amerika so grossartig macht. Was wollt ihr mehr?

Freitag, 13. Januar 2006, 22:27
Hi Greg,
also ganz Unrecht hast Du bestimmt nicht, wir von Gegenstimme haben, glaub ich zumindest, auch nicht unterschrieben, aber vielleicht solltest Du Deine an sich ja Gleichgesinnten ein wenig zärtlicher auf die rechte Spur zurücklotsen.
Ich mein ja nur.
Sir Winston
Freitag, 13. Januar 2006, 23:23
Hallo,
Stimmt. Allerdings bin ich in allen Lebenslagen ein »Take No Prisoners. Never« und kann einfach nicht anders. Dabei habe ich mir hierbei Mühe gegeben.
Freitag, 13. Januar 2006, 23:28
Ja, lieber Greginski, die Antibürokraten waren auch solchwelche die nicht unterschrieben und das auch begründet haben. Und nach diesem Kommentar zum “offenen Brief”, und weil Du endlich Dein Bloglayout i.O. gebracht hast, landest Du hiermit auch in meinen Blogfavs … danke + lg, Achim
Samstag, 14. Januar 2006, 00:15
Meinen Segen hast Du, aber man kann damit auch mal auf die Fresse fliegen!
Zumindest erzählt man mir das ständig! ;-)
Samstag, 14. Januar 2006, 00:28
Angela Merkel zu Gast bei Freund George W. Bush…
Angela Merkel war heute zu Besuch bei Freunden in Washington, wie die SZ berichtet. Nachdem der erste Besuch in den USA unserer Dosenpfandkanzlerin Angela Merkel noch den Ruf der Unterwürfigkeit eingebracht hatte, hat sie diesmal schweres Geschütz g…..
Samstag, 14. Januar 2006, 09:46
Ich gehöre zu den Unterzeichnern und zwar als Zeichen des guten Willens und der Kooperationsbereitschaft.
Allerdings habe ich (per email) Stefan Herre auch dargelegt, dass ich seinen offenen Brief allzu schmalzig-pro-amerikanisch fand. Da es eigentlich zu meinen Prinzipien gehört, über andere Blogger entweder positiv oder gar nicht zu schreiben, will ich es mit dieser kleinen Einlassung bewenden lassen.
Hervorheben möchte ich aber mal, dass Stefan Herre bei aller Schärfe im Disput doch ein Mensch ist, der sehr wohl auch andere Meinungen nicht nur toleriert, sondern auch respektiert. Er betreibt einen fantastisch laufenden Blog. Er schreibt “quer über die Zeilen” und mit Herz, da stört ein gelegentlicher falscher Ton wirklich nicht. imho
Samstag, 14. Januar 2006, 14:36
Kann dir nur zustimmen, Greg. Ich fand die Kritik an Guantanamo von Merkel sehr angemessen. Auch ich bin der Meinung, dass dieses Gefängnis keine Einrichtung auf Dauer sein kann.
Samstag, 14. Januar 2006, 21:41
Das schlechte Gewissen des sich-nicht-ganz-sicher-auf-der-richtigen-Seite-Fuehlers, gekoppelt mit herablassender Arroganz - das geht sonst nur von links…
Montag, 16. Januar 2006, 22:37
Die “ganz-sicher-auf-der-richtigen-Seite-Fuehler” fühlen eben meist nur: um zu argumentieren fehlt ihnen das Differenzierungsvermögen oder der Wille dazu. Sie erweisen der Sache, für die sie meinen “150-prozentig” eintreten zu müssen, einen Bärendienst, weil sie diejenigen die (noch) zweifeln mit platten Parolen abschrecken, anstatt zu überzeugen. Das geht von “links”, von “rechts”, von allen Seiten - q.e.d.
Dienstag, 17. Januar 2006, 13:37
Nun hört’s halt auf!!! Bis einer weint!
Obwohl ich den Grundton des Briefes als Nicht-Unionsanhänger zu sehr pro-Merkel und traditionell pro-amerikanisch fand, hab ich ihn ebenfalls unterschrieben, und zwar nicht nur, weil ich die Grundidee für gut hielt, sondern auch weil ich Guantanamo eben nicht grundsätzlich ablehne.
Manchmal hat man unterschiedliche Beweggründe für etwas und unterstützt es trotzdem, obwohl man nicht in jedem Punkt übereinstimmt. Und dies gilt auch für Seiten, die in einigen Punkten (PI ist mir z.B. mitunter zu konservativ oder anti-islamisch, aber umgekehrt wird Stefan auch nicht jeden meiner radikalen Geistesblitze gutheißen) vielleicht andere Positionen haben als man selber.
Wenn man in einer derartigen Minderheitenposition ist wie wir, sollte man sich jedenfalls nicht wie sektiererische K-Grüppler wegen irgendwelcher Details in die Haare kriegen. Denkt mal an das “Leben des Brian” (Spalter und so). Also habt Euch wieder lieb! ;-) Und das gilt für alle!
Montag, 23. Januar 2006, 00:23
Gut, dass Du nicht unterschrieben hast. Du hast oft die richtige differenzierte Sicht. Bleib auf Kurs, weiter so!
Thorwald