Freitag, 25. November 2005
Nicht-helfende Hilfe
Ich weiss, es ist ja gut gemeint, aber in der Praxis ist es meistens ein Desaster für die Betroffenen, immer ein gutes Gefühl, für jene, die sich sowieso schon gut fühlen. Es geht um Entwicklungshilfe.
Einmal beim Spiegel:
Die ständige Verfügbarkeit von Almosen macht im ärmsten Land der Welt alle Initiativen platt. Ein gut geölter Samariterapparat trainiert den Äthiopiern die Fähigkeit ab, sich selbst zu ernähren. Regierung und Hilfsorganisationen profitieren von der Situation.
Und einmal in der Weltwoche:
Es gilt nach wie vor das, was der britische Entwicklungsökonom Peter Thomas Bauer schon vor Jahren formuliert hat: «Entwicklungshilfe besteht darin, das Geld armer Menschen in reichen Ländern an reiche Menschen in armen Ländern zu transferieren.»
Entwicklungshilfe gleicht weniger einem Automaten als viel mehr einem Strom, der aus einer stets sprudelnden Geldquelle in den Industrieländern versorgt wird, aber bei den Adressaten nur noch als dünnes Rinnsal ankommt, da er auf dem langen Weg dorthin irgendwo versickert. Und in manchen Fällen merken die Armen auch gar nichts von den für sie gedachten Zahlungsströmen, da kreative Politiker und Funktionäre diese schon vorher vollständig auf ihre eigenen Konten umgelenkt haben.
