Donnerstag, 6. Oktober 2005
Demokratische Taliban
Die Los Angeles Times hat wieder einmal unter Beweis gestellt, warum sie meine Lieblingszeitung ist. (Dies ist übrigens ein Satz, für welchen mich Republikaner in den USA, ohne gross nachzufragen, nackt mit einem »God Bless America«-Schild in den Iran schicken würden). Der Grund für meine Liebe sind die exzellenten Hintergrundberichte aus dem Irak oder wie in diesem Fall aus Afghanistan.
Und zwar handelt dieser Artikel vom Mullah Abdul Salam, der früher ein Taliban war, noch frührer Raketen auf Soviet-Panzer schoss und sich den Spitznamen Rocketi einheimste, mittlerweile aber ein Demokrat ist; Trotz Bedrohungen seitens der Taliban und seiner frühreren Feinde, der Nordallianz. Dennoch sagt er, habe er die Waffen gegen Worte eingetauscht und möchte seine Feinde nun so besiegen. Eine interessante Randnotiz sind seine Anmerkungen über die Befragungen, durch welche er musste, als er sich ergab: »Es war freundlich.« Sie sagten ihm, er kann die Fragen beantworten, die er will und das Alles bei Tee und Früchten.
Der Mullah ist einer der aussichtsreichsten Anwärter für das Parlament in der südlichen Zabol-Provinz. Prominentere Taliban - wie der Stellvertreter des Innenministers oder der Direktor der Sittenpolizei, die Frauen verprügelte, wenn sie nicht vollständig zugedeckt waren - hingegen scheiterten bei den Wahlen kläglich.
Das Fazit dürfte wohl lauten: Wenn ein Taliban ein Demokrat werden kann, dann schafft dies wohl auch jeder Andere. Auch ein interessanter Aspekt ist, dass einer dieser Taliban, sich furchtbar darüber aufregt, dass seit dem Einzug der Demokratie Frauen gibt, ihre Männer betrügen und Leute illegal (vor der Ehe) ficken würden. Well, liebe Taliban, welcome to democracy!
