Donnerstag, 28. Juli 2005
Argumentationsschwierigkeiten
Die Terrorgruppe um den irakischen al-Qaida-Chef Abu Mussab al-Sarkawi hat sich zur Ermordung von zwei entführten Diplomaten aus Algerien bekannt. Heute sei “das Urteil eines islamischen Tribunals” umgesetzt worden, heißt es in einer im Internet veröffentlichten Mitteilung.
Gestern hatte die Entführergruppe in einer Internet-Botschaft angekündigt, die beiden zu ermorden. Die Organisation droht darin auch Diplomaten anderer arabischer Staaten im Irak mit dem Tod.
»Zieht die Truppen ab, Algerier!«
So zumindest müsste der Aufschrei der üblichen Vedächtigen lauten. So lautete zumindest immer die Forderung, wenn ein Amerikaner oder Australier verschleppt wurde. Das Dumme an diesem Falle ist aber, dass weder Algerien, noch andere arabische Staaten Truppen im Irak haben, was wiederrum nahe legen würde, dass Sarkawis Kopfabhacker wohl nicht nur ein Problem mit den ungläubigen Imperialisten haben, sondern mit jedem, der keinen zweiten Taliban-Staat im Irak haben will und die aktuelle, demokratisch gewählte Regierung unterstützt. Eigentlich ist dies keine neue Erkenntnis, bomben doch Sarkawis Notgeile mit abstossender Regelmässigkeit unschuldige Iraker in den Tod…
Was machen wir also jetzt? Augen zu und »lalalala… des einen Freiheitskämpfer, des anderen Terrorist… lalalala« singen…

Donnerstag, 28. Juli 2005, 08:00
Das Todesurteil lässt sich in einer englischen Übersetzung hier nachlesen: Islamic Court Decrees Death For Algerian Delegates
http://www.jihadunspun.net/newsarchive/article_internal.php?article=103703&list=/newsarchive/index.php&
Über die Aktivitäten Zarqawis muss folgendes angemerkt werden:
1) Sein Kampf gilt in erster Linie den Kollaborateueren und Glaubensabtrünnigen, zu welch letzteren er per se die Schiiten hält. Er nannte sie noch grössere Teufel als Juden und Amerikaner.
2) Seine Aktivitäten sind auch im historischen Kontext zu betrachten, und zwar im uralten Kampf um den ‘fruchtbaren Halbmond’ im Irak.
3) In keinem Krieg wird eine Partei einen Angriff auf den Feind nur deswegen unterlassen, weil dabei Unschuldige getötet werden könnten. So wie die USA bei ihren Operationen ‘collateral damages’ für akzeptabel halten, so tut es auch Zarqawi.
4) Die Normen des Kriegsrechtes können für Zarqawi nicht akzeptabel sein, weil sie de facto einem militärisch haushoch überlegenem Feind in die Hände spielen. (Erinnert an den Kalauer über Custers letzte Worte: “He, das sind ja Brandpfeile! Dürfen die das?”) Man kann von Zarqawi schliesslich nicht erwarten, dass er zunächst eine State-of-the-Art Infanteriedivision nebst Luftwaffe aufbaut, um dann so zu kämpfen, wie es dem Feind genehm ist.
Damit habe ich nichts über die Legitimation des Kampfes Zarqawis gesagt, aber sehr wohl über die normative Kraft des Faktischen. Hard cheese…
Donnerstag, 28. Juli 2005, 11:12
Welcher islamischen Glaubensrichtung gehören denn die Algerier eigentlich an? Ich gebe amigoboom Recht, dass es Zarqawi gar nicht mehr so sehr um den Abzug der Amerikaner geht. Er WILL a. den Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten und b. die derzeitige Regierung international isolieren. (Neulich haben sie doch auch einen ägyptischen Diplomaten umgebracht, wenn ich mich recht erinnere.) Heute morgen las ich, dass die Terroristen nichts als Faschisten in muslimischem Gewand sind. Dem stimme ich 100% zu.
Donnerstag, 28. Juli 2005, 19:55
Zarqawi gehöhrt zu den wahren Gläubigen. Das ist seine Glaubensrichtung, und jeder der den Islam nicht so auslegt wie er ist ein Ketzer.
Das würde sogar auf Mohammed zutreffen, würde er heute zurückkehren und Zarqawi oder den “Widerstand” kritisieren.
Wahre Gläubige sind übrigens im Prinzip konfessionslos, sie folgen jeder Idiologie die ihnen erlaubt ihren Gestaltungsdrang kompromisslos auszuleben.
Donnerstag, 28. Juli 2005, 23:54
Alrik, du meinst also, es gäbe grundsätzlich keinen Unterschied bei den Muslimen?
Freitag, 29. Juli 2005, 14:58
amigoboom,
das kann doch wohl nicht Dein Ernst sein, oder ?!
“…
Damit habe ich nichts über die Legitimation des Kampfes Zarqawis gesagt, aber sehr wohl über die normative Kraft des Faktischen.”
Eine dümmere Legitimation des Terrors durch historisierende Verbrämung (2) des Terrors sowie Gleichsetzung konventionellen Krieges mit Terror (3), garniert mit dem Hinweis daß den armen Terroristen ja gar nichts anderes übrig bliebe als der Terror (4), hätte sich Mark Pitzke wohl auch nicht ausdenken können.
Terroristenversteher !
Montag, 1. August 2005, 18:31
Axel Bavaria, es ist mein Ernst, da magst Du Dich gerne aufregen. Ich sehe die Sache eben eher aus der Sicht eines G 2-lers, der sich mit dem Feind tatsächlich befasst. Wenn man damals zu Zeiten des Krieges die Bedrohungen durch den WP darauf reduziert hätte, dass Kommunismus was Übles ist und Angriff die oberste Doktrin der Roten Armee ist, hätte man niemals genügend Fakten gehabt, um ein Gleichgewicht des Schreckens herzustellen. Nur haben wir es heutzutage eben mit asymmetrischen Bedrohungen zu, denen wir begegnen müssen, gleichwohl kommt man auch hier nicht umhin, sich mit Doktrin und Strategie des Feindes zu befassen.
Wenn du meinst, man müsse seinen Feind nicht kennen, dann kann man nur hoffen, dass Du niemals Verantwortung zu tragen hast für diejenigen, die ihn bekämpfen müssen.
Ich komme aus dem G 2 - Wesen, mein Fachgebiet war die WGT in der DDR. Damit bin ich zu allem Überfluss also auch noch ein Kommunistenversteher gewesen. lol
Nix für ungut.