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Sonntag, 24. April 2005

Wie Reuters eine Frau von Behörden steinigen liess

Irgendetwas stimmt hier nicht. Soviel ist klar. Zumindest ist beruhigend das Spiegel Online sich für die Nachricht entschied, die den US-Einsatz in Aghanistan als nutzlos aussehen lässt.

Erstmals seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban ist in Afghanistan wieder eine Frau wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt worden. Die 29-Jährige sei auf der Grundlage einer Gerichtsentscheidung öffentlich gesteinigt worden, teilte die Polizei mit.

Das zumindest meint Reuters:

Amina, a 29 year-old married woman, was publicly stoned to death on the basis of a district court’s decision on Thursday in Argo district to the west of Faizabad, the provincial capital of Badakhshan, they [Die Polizei, Reuters zufolge] said.

“She has been stoned to death,” provincial police chief, General Shah Jahan Noori, confirmed to Reuters, adding a team has been sent to the area to investigate the incident further.

AP sagte derselbe General Shah Jahan Noori etwas ganz anderes:

“With the fundamentalists and the hardline mullahs who are in that area, these things are not impossible,” Shah Jahan Noori, the provincial police chief, told The Associated Press. “But I know that in this case she was not stoned.”

Deputy Gov. Haji Shamsul Rahman said the woman went to the house of a man called Mohammed Karim last Wednesday evening. He said Karim’s father had spied the couple, locked them in the house and called people from the village to witness their supposed crime.

Mohammed Aslam was then summoned.

“According to our report, when Amina’s father took his daughter back home, the father killed his daughter out of shame,” Rahman said.

Neither he nor the police chief knew exactly how she was killed.

Das klingt schon wesentlich vernünftiger und realistischer.

The officials said authorities were on their way to the village to detain Mohammed Aslam, Mohammed Karim, Karim’s father and the woman’s husband, who had recently returned from Iran.

“People seem to assume because it happened once, it must have happened again,” Noori said. “But we have a new government now in Afghanistan, and the judges, not the people, should decide who was at fault.”

Und dies klingt noch vernünftiger.

Die Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC) bestätigt die Version, welcher zufolge die Familie die Frau getötet hätte:

The Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC), which has also sent a team of investigators to the area, argued the woman was not stoned but had been killed by the family of her husband.

“The reports we have is the woman was killed by her husband’s family for having improper affairs with another person. The man who had relations with her was lashed in public,” Nader Nadery, the commission’s spokesman, told AFP.

Der Provinzgouverneur machte auch deutlich, dass wenn diese Entscheidung von einer »Behörde« gefällt wurde, dann von einem Mullah und dass dies inakzeptabel wäre.

Provincial deputy governor, Haji Shamsul-Rehman, said that even if it was established the woman had been having an affair with another man, she should have been stood on trial in a court and not condemned to death by a local mullah.

Die BBC, welche die Story noch bevor AP und Reuters hatte, berichtet, dass die Entscheidung nicht von lokalen Offiziellen gefällt wurde, sondern von Mullahs:

The Afghanistan Independent Human Rights Commission said the woman had been sentenced to death by a decree from the local religious scholar.

Halten wir also fest: Eine Frau wurde auf alle Fälle getötet. Ein Ehrenmord. Etwas, das auch in Berlin passiert und gerne auf »verschiedene Kulturen« geschoben wird. Höchstwahrscheinlich von ihrer Familie, vielleicht auf »Empfehlung« von einem Mullah.

Der entscheidende Punkt ist aber, dass auf alle Fälle eine Untersuchung eingeleitet wurde und die Offiziellen solche Steinigungen nicht akzeptieren wollen. Man kann vom Spiegel Online nun wirklich nicht erwarten, dass er auf diese positive Entwicklung in einem Land, wo noch vor 5 Jahren nach Lust und Laune gesteinigt wurde, hinweist. Oder das Spiegel Online erwähnen würde, dass die Reuters-Story nicht die absolute Wahrheit ist, sondern dass es eine genau entgegengesetzte Version gibt, welche von einer unabhängigen Menschenrechtskomission bestätigt wurde. Auch hätte Spiegel Online erwähnen können, dass die Frau nicht einfach so böswillig ihren armen Mann betrog, sondern dass er fünf Jahre lang weg war und sie von ihm weg wollte, weil er sie nicht unterstützen und ernähren konnte. Und dass Spiegel Online darauf hinweisen würde, dass höchstwahrscheinlich ein Mullah die Entscheidung fällte ist dann wohl auch zu viel verlangt.

Natürlich, man kann nicht ausschliessen, dass Reuters und somit auch Spiegel Online richtig liegen, aber wir haben mehrere Quellen, die das Gegenteil von ihrer Story behaupten…

5 Kommentare zu “Wie Reuters eine Frau von Behörden steinigen liess”

  1. Axel Bavaria sagte:

    Das ist Ausdruck des SPIEGEL’s rassistischer Weltanschauung ( die eigentlich spätestens durch die erfolgreichen Wahlen im Iraq und in Afghanistan hätte kollabieren sollen ):

    “Die Araber sind nicht fähig zur Demokratie !
    Sie wollen keine Menschenrechte !
    Es ihnen aufzuzwingen ist sinnlos und gemein !
    Sie sind nunmal anders ( lies:minderwertig ) als wir Weißen !”

    Stories wie diese Steinigung kommen da natürlich gerade recht:

    “Seht her, es funktioniert nicht ! Die Taliban waren doch genau das, was die wollen !”

  2. Alrik sagte:

    Warum Spiegel’s rassistischer Weltanschauung ?
    Heute im neuen Stern:
    Interview mit Simon Hersh:
    “Wir sollten den Arabern nicht unseren Wertvorstellungen aufdrücken”

  3. Axel Bavaria sagte:

    Ich wollte halt nicht generalisieren … obwohle es in der Tat 99% der Massenmedien und des linken Mainstreams betrifft.

  4. Werner sagte:

    Gibt es einen Unterschied zwischen Simon Hersh und dem Spiegel?
    Zumindest in der Abu Ghraib Affaire lagen - und liegen heute noch - auf einer Wellenlaenge.

  5. Anahita Girishki sagte:

    Hallo,

    erst einmal freue ich mich von das Interesse für Afghanistan und dass deutsche Medien korrigiertwerden.

    Ich denke auch, dass es in Afghanistan zu grossen Fortschritten gekommen ist. Leider kommen Steinigungen aber wirklich immer noch vor, aber nicht in Nordafghanistan (wo dieser Fall angeblich passiert) sonden im Süden und Südosten wo die Taliban imemr noch dominatn sind. Ich bin übrigens selbst Afghanin und habe früher ein paar beiträge über Afghanistan verfasst - alles auf http://www.afghanist.de

    grüße
    Anahita

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