Mittwoch, 30. März 2005
Freiheit oder Europa
“Wir waren wohl manchmal zu laut, zu direkt, zu polternd vielleicht”, sagte Powell in einem Interview mit dem “Stern”. Ausdrücke wie “altes Europa” von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hätten “nicht gerade vertrauensbildend gewirkt”, sagte Powell. Die Europäer habe es bei der amerikanischen Ausdrucksweise “wohl manches Mal geschaudert”.
Bush habe “manche Standpunkte vielleicht überdeutlich dargestellt”, kritisierte der ehemalige Außenminister und Vorgänger von Condoleezza Rice auch den Präsidenten. “Aber so begannen Veränderungen”, fügte er mit Blick auf den Nahen Osten hinzu. Bush gebühre “die Ehre, dass er den Menschen dort aus der Seele gesprochen hat”.
Ich weiss nicht ob man lachen oder weinen soll, sich vor Lachkrämpfen am Boden rollen oder in Heulkrämpfe ausbrechen soll, eine Cola auf Amerika trinken oder sich mit deutschem Bier besaufen soll. Ich meine, das kann’s nun wirklich nicht sein!
Darf man nun also die Dinge nicht beim Namen nennen, weil die europäischen Deppen vom Dienst es nicht schaffen, in ihren kleinen Hirnchen es zu fassen, dass jemand an Freiheit im Nahen Osten glaubt und die Realität ihm Recht gibt. Wenn die dort noch herrschenden Diktatoren dagegen herausposaunen, dass Amerika Satan höchstpersönlich ist und dass Israel in Meer gehört runzeln die Europäer an guten Tagen vielleicht ‘mal die Stirn, aber es sind halt verschiedene Kulturen.
Und dann kommt der Powell angestolpert und behauptet es sei die normalste Sache der Welt. Es ist eben dies nicht. Es sind nicht Stildifferenzen die Amerika und Europa auseinanderdriften lassen, auch wenn sie massiv mithelfen wie man an Europas Liebe für Kerry feststellen kann. Das Problem ist nicht, dass Bush sich einmal mit Cowboy-Hut fotografieren liess und wie ein solcher läuft. Dies beschleunigt bloss den Prozess.
Die Europäer sind grösstenteils bestenfalls schlechte Schüler von Kissingers »Détente«-Lehre (mit anderen Worten: Appeaser ohne Rückgrat). Das ist für sie nicht einmal eine Beleidigung, da sie besonders stolz sind eine Achse des Friedens zu bilden, welche hilft Menschen zu unterdrücken, damit der Westen mit dem Eindruck leben kann, dass die Welt stabil ist. Was sie kurzfristig dann auch ist, bis die Appeasten merken, dass sie von ebenjenem Westen noch mehr verlangen können, und dieser es dann auch tun wird. Wie weit er dazu gehen wird, zeigen die Verhandlungen der »grossen Drei« der EU, welche im Prinzip bereit sind den Mullahs alles zu geben, was diese brauchen um das Volk mit Ach und Krach zu unterdrücken.
Man braucht nur sovietische Dissidenten zu fragen was sie von solchem Appeasement und dem Stabilitätsdenken (welches in Europa noch weiter verbreiteter war als in den USA) und was sie von Männern wie Henry Jackson und Ronald Reagan halten. Heute könnte man die Iraner oder die Libanesen fragen, ob sie bevorzugen dass man mit den Mullahs verhandelt und ihnen ermöglicht Anschluss an den Westen zu halten, oder ob sie lieber hätten, wenn alle wie Präsident Bush zu verstehen gäben, dass die freie, westliche Welt es ernst mit »Freedom & Liberty« meint und den Mullahs das Leben ungemütlich machen wird, wenn sie nicht nach der amerikanischen Friedenspfeife tanzen.
In Gefangenschaft lebende Leute sind nicht geschichtsfremd. Sie wissen, dass die Berliner Mauer zerstört werden konnte, weil Ronald Reagan dies lautstark forderte und nicht weil Henry Kissinger Stabilität mit der Soviet Union wollte.
Das letzte Mal als man versuchte einem Irren die Bombe auszureden, ging dies schief: Nordkorea bekam Free Food und besorgte sich die Bombe später andersweitig. Aber kurzfristig war die Clinton-Adminstration glücklich und die Europäer waren stolz (d.h. ungefähr 50% der Bevölkerung hasste ihn nicht), weil einer von ihnen in Washington sass.
Auch heute glauben die meisten Europäer an die Macht der Worte und des Dialoges. Die Bush-Adminstration dagegen glaubt an die Macht der Freiheit. Genau dies ist der grosse Unterschied zwischen Europa und Amerika. Die Europäer meinen sie können Gefahren für sich selbst wegdisktuieren und vergessen dabei die Schicksale der dabei unterdrückten Völker. Die Amerikaner dagegen sind überzeugt, dass damit es uns gut geht und dass keine Bedrohung von einem Land ausgeht, das Volk ebenjenes frei sein muss.
Die jüngste Geschichte gibt den Amerikaner Recht. Oder glaubt jemand dass ein freier Libanon weiter die syrische und iranische Hisbollah beherbergen wird? Dass er ein Interesse an einem Krieg mit Israel haben könnte? Dass dies das Volk zu lassen würde? Es war die importierte - ja mit Gewalt »aufgezwungene« - Freiheit die aus den Erzfeinden Frankreich und Deutschland beste Freunde machte. Es gab keinen Führer für den man sterben konnte, keine gekidnappte Presse welche den Deutschen als Unmenschen porträtierte. Freie Gesellschaften sind an Kriegen gegeneinander grundsätzlich nicht interessiert, weil der Einzelne lieber ruhig in Frieden lebt und die Köpfe dieser Staaten im Gegensatz zur herrschenden Zynik eben doch von der Bevölkerung abhängig sind und nicht einfach tun und lassen können was sie gerade wollen.
Europa muss verstehen, dass Frieden mit Diktatoren unmöglich ist, da diese auf dem Pulverfass Volk sitzen und sich nur um ihren Weiterverblieb kümmern. Dazu ist der Westen ‘mal Feind, ‘mal Freund, aber nie ein stabiler Partner. Und eine Demokratie die dich nicht mag, ist besser als eine Diktatur die dich mag, denn eines Tages wird sie ihre Liebe kündigen.
Das alles ist nun kein Plädoyer gegen den Krieg im allgemeinen, denn der scheint manchmal zur Befreieung notwendig wie 1945 oder 2003. In anderen Ländern, so geschehen in diesem Jahr, ist er nicht notwendig.
Über das Vorgehen gegen den gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein habe es innerhalb der Regierung in Washington Differenzen gegeben, sagte Powell. Er selbst “dachte, es gäbe die Möglichkeit einer diplomatischen Lösung”.
Ihn und alle anderen Diplomaten, Kriegsgegner, Terroristenfreunde und Experten fordere ich zum letzten Mal auf, endlich zu präzsisieren, wie diese diplomatische Lösung ausgesehen hätte. Wie sie innerhalb von knapp zwei Jahren dem Irak freie Wahlen gebracht hätte, wie sie Gaddafi gezähmt hätte, wie sie den Menschen im Libanon und im gesamten Nahen Osten gezeigt hätte, dass auch sie frei sein können und dass der Westen - oder zumindest die USA - sie unterstützen.

Mittwoch, 30. März 2005, 15:21
Quelle zum Text europa oder freiheit ?
Mittwoch, 30. März 2005, 15:42
Ich habe ihn geschrieben!
Die drei zitierten Absätze stammen einem Spiegel-Artikel.
Donnerstag, 31. März 2005, 10:11
Klasse Artikel!
Donnerstag, 31. März 2005, 11:47
vielleicht hat die europäische dipomatie einen wirklichen philosphischen hintergrund. so etwa im ZEN. im sinne: nichts tun, sich nich bewegen, nicht rühren, höchstens zuschauen. denn die probleme lösen sich von selbst. in sudan würden alle abmassakriert, china überrollt taiwan, nordkorea und iran werden atomsprengköpfe beim jeden feuerwerk einsetzen, irak wird den “aufständischen” (oder am besten gleich saddam hussein mit einer entschuldigung) übergeben. nachdem sich alle problembrennpunkte von selbst erledigt haben, gibt es natürlich nichts mehr zu lösen. die europäische ZEN-diplomatie ist schlauer als wir denken!
lg,
martinius
Donnerstag, 31. März 2005, 20:26
Wenn ein Regiem fällt, und niemand da ist der darüber berichtet, hat der Regiemwechsel dannn stattgefunden ?
Umd zur Not kann man immer noch behaupten das die ganze Sache nichts mit der Aussenpolitik der USA unter Bush zu tun hat ;)
Samstag, 9. April 2005, 13:25
Na ja Geht so find ich!