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Freitag, 25. Februar 2005

Ein kleiner Schritt… (Teil Eins)

Es war ein Tag den man so schnell nicht vergessen wird. Zumindest wird ihn keiner von uns vergessen, denn wir hatten ‘nen Riesenspass. Lustiger hätte das Ganze wirklich nicht sein können. Unter gutem Omen stand die Operation zumindest bei mir nicht, denn ich kam mit einer Stunde Verspätung in Freiburg an, da ein Baum die waagrechte Position über einem Bahngleis seiner ursprünglich Horizontalen neben dem Bahngleis bevorzugte und sich um die Züge die durch wollten, nicht wirklich scherte. Von Freiburg an ging dann alles glatt: Mit einem »pissigen Peugot 106« fuhr ich mit David Harnasch und einem Freund von ihm bis ins Ibis nach Mainz, wo Ray von Medienkritik Online, Paul von No Blood For Sauerkraut und andere Gleichgesinnte warteten. An dieser Stelle möchte ich den beiden noch einmal danken, mir geholfen zu haben, die Reise mitzufinanzieren! Auf der Hinfahrt lachten wir dann doch etwas stärker als im Radio die Meldung lief, dass 50 Organisierungen zur Verarschungs-Pro-Bush-Demo aufgerufen haben und ganze 150 kamen, was uns auch zum Schluss brachte, dass wir entweder 30 Demonstranten oder dann aber ein paar Tausend wollen, weil eine Zahl im dreistelligen Bereich, doch ziemlich schwuchtelig klingt.

In unserem Bastelzimmer Nummer 239 des Ibis-Hotels in Mainz waren wohl mehr Amerika-Flaggen und Fähnchen als man gebraucht hätte, um das Zimmer damit zu tapezieren. Schilder wurden auch gebastelt, die meisten mit Cartoons von Cox & Forkum verziert und Pauls pfiffigen Sprüchen betextet. Schlussendlich hatten wir dann weit mehr von dem Zeug, als Demonstranten kamen, aber wir können ja kaum verheimlichen, dass wir Optimisten sind, es waren und es bleiben werden. Als noch ein paar leere weisse A2-Kartöne übrig blieben, liessen wir unserer Kreativität und unserem Erinnerungsvermögen freien Lauf. Dies endete dann in einem Schild, welches Paul ein ziemlich starken Lachkrampf bescheerte und mir im Gegenzug den Award »Die genialste Parole« einbrachte. Zu den Reaktion der in der Mehrheit wohl schon leicht angetrunkenen, kommunistischen Freunde kommen wir später. Die Nacht wurde dann logischerweise kürzer und Ray, der einen immensen Aufwand betrieb (kostenmässig wie auch organisatorisch) und dafür bis ans Ende aller Tage mein Idol in Sachen Glauben an eine Sache bleiben wird, schlief aus Mangel an Betten auf dem Fussboden. Es war unmöglich, ihn zu überreden im Bett zu schlafen. Ich glaube ich habe nie einen grosszügigeren Menschen als ihm kennen gelernt. Vielleicht kenne ich zu wenige Amerikaner.

Am nächsten Morgen - also am Morgen ist mit mir grundsätzlich nicht zu rechnen - schaffte ich es eine ganz interessante Diskussion mit Erik von No Pasaran! zu führen. Über was weiss ich freilich nicht mehr, dazu war es viel zu früh. Allerdings entdeckte ich, dass der Erik ein ganz Genialer ist. Er ging am ganzen Tag nicht an einer einzigen Frau vorbei ohne diese anzubaggern und dies fing schon am morgen an! Als ich noch halb im Schlaf im Slalom zum Frühstück wankte, erklärte er hellwach dem guten Mädel (welches seiner Meinung nach eine ganz süsse Nase hatte), dass wenn die Friedensbewegung ihr Ziel erreicht hätte, Saddam immer noch morden würde. Ich konnte mich kaum noch halten. Insgesamt war sein Durchhaltevermögen und sein Glaube an die Vernunft mehr als vorbildlich. Nach dem Frühstück transportierten wir all unser Material vors Hotel und machten ein Gruppenfoto (Nur die Elite, d.h. Paul, Ray, Erik und ich sieht man hier) und zogen zum Südbahnhof. Auf dem Weg zog schon ein besoffener anti-Amerika Schreihals mit ner Desert-Storm-Tarnjacke zu uns, machte aber keine Randale und ich glaube er stiess dann doch erst später zu seinen Freunden. Zwei andere fragten uns nach unserem Motto und ob es »Mehr Blut für Öl« wäre. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Parole einen längeren Bart als Gandalf hat und die Amis entweder das verdammte schwarze Gold dem Saddam abkaufen würden oder aber Saudi Arabien gestürmt hätten, wenn es wirklich darum gegangen wäre, war ihr Gesichtsausdruck nachdem ich ihnen antwortete »Nö, kein Blut für Frieden mit Diktatoren« ziemlich unterhaltsam. Dann gingen sie. Und wir zogen dann zum Mainzer Südbahnhof.

Der Rest folgt in Kürze, mehr Photos als die bei Medienkritik Online und No-Pasaran in ein paar Tagen.

4 Kommentare zu “Ein kleiner Schritt… (Teil Eins)”

  1. Medienkritik Online sagte:

    Zusammenfassung: Blog Beiträge Zum Thema Demo
    Against Me: Ein kleiner Schritt… (Teil Eins) von Greg Grabinski Politically Incorrect: Großes Medieninteresse bei Mainzer Pro-Bush-Demo von Stefan Herre No Blood for Sauerkraut: Only outnumbered, not outgunned von Paul13 David Harnasch: Mainz bleibt…

  2. Frank the politics sagte:

    Grüße aus Marburg, fantastischer erster Teil, lass die Weiteren schnell folgen. Werde diesen Tag und unsere Truppe so schnell nicht vergessen. Und das Medienecho hier in Deutschland ist mehr als gewaltig. Habe einiges auf Videotape aufgenommen, u.a. Beiträge von ARD (Sondersendung, Monitor usw.), ZDF, HR3 und Phoenix, durch Zufall auch die Talkrunde mit Hendrik M. Broder, der allen die Show stahl, das ZDF Streitgespräch mit Eric Staal und dem Gründer von Attac und vieles mehr. Bei Interesse mail mich an, mal sehen was sich machen lässt. Nochmal ganz großen Dank an dich - hoffe wir sehen uns bald bei der Eröffnung der US - Botschaft in Berlin. Oder ich schau mal in der schönen Schweiz vorbei.

    Frank

  3. CptEggman sagte:

    Gratuliere zur gelungenen Aktion, ihr letzten denkenden Menschen vom alten Kontinent. Hoffentlich lassen sich noch mehr Leute dazu inspirieren, sich endlich aus der Umklammerung der medialen Gehirnwäsche zu befreien und sich eine eigene Meinung zu bilden.

    Danke für die gute Arbeit!

  4. A New European » Blog Archive » Alles scheisse ausser Kuba? sagte:

    […] rgeworfen, eine Gefahr darzustellen, protestierte eine Menschenrechtsorganisation. Und in Mainz wollten unsere Gegendemonstranten unter allen Umständen nach Kuba& […]

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