Mittwoch, 26. Januar 2005
»We’re doing nothing«
Seymour Hersh, spätestens seit Abu Ghraib Nationalheld des alten Europa und Auslöser der aktuellen Krieg gegen den Iran-Hysterie, war gestern zu Besuch beim meiner Meinung nach lustigstem Manne Amerikas Jon Stewart.
Für die die ihn nicht kennen: Jon Stewart moderiert die Sendung The Daily Show, welches eine Veralberung der Medien und der Poltiker ist. So etwas wie die Harald Schmidt Show, nur ohne Andrack, dafür aber mit interessanten Gästen (viele Autoren politischer Bücher beider Seiten) und zum Brüllen komisch. Jon ist im US-Sinne »liberal«, also eher links, aber wenn er Demokraten durch den Kakao ziehen kann, dann tut er das auch ohne zu zögern.
Die Show ist vor allem im Verbindung mit den europäischen Medien sehr interessant zu beobachten. Oft verbreiten diese (unabsichtlich) genau den Standpunkt Jon Stewarts. Was er in seiner Show zur Unterhaltung sagt, verwenden unsere Medien mit vollem Ernst. In der Sendung nach Bushs Inauguration zählte er wie viele Male Bush das Wort Freedom und wie viele Male er das Wort Liberty verwendete. Europas blinde Beobachter taten dies auch und erblickten sofort religiösen Fundamentalismus und Cowboy-Mentalität darin. Jon Stewart hingegen kommentierte das Resultat, als hätte es sich um ein Basketball-Spiel gehandelt: Er erkannte die Bemühungen von Liberty an, musste aber dennoch einen klaren Sieg für Freedom feststellen.
Doch zurück zur vorgestrigen Sendung: Seymour Hersh ist ein selbsterklärter Bush-Feind. Ein feines Detail, das oft bei der europäischen Berichterstattung über seine Berichte untergeht. Nun kam er also in die Daily Show und redete über die angeblichen Pläne des Pentagons für einen Angriff auf den Iran. Und ich will’s mal vorwegnehmen: Es war als würde man einen europäischen Politiker hören.
Was dem Star-Reporter am meisten miesfiel und miesfällt war Amerikas Unwillen bei den Verhandlungen der Europäer. Es ist immer wieder erstaunlich, wie ein Mann der Pläne einer Regierung zum Angriff eines anderen Landes herausbekommt, aber einfachste Dinge wie dem Denken der Mullahs und der Europäer nicht folgen kann. Die Europäer sind nur Werkzeuge der Mullahs: Am 14. November verkündeten sie voller Stolz, dass die Verhandlungen ein erfolgreiches Ende gehabt hätten. Aber schon zwei Wochen zuvor erklärte der Chef der Frauenhasser, dass ein endgültiger Stopp der Anreicherung nicht in Frage käme und am selben Tag, dem 14., erklärten die Mullahs, dass sie »fast alle« Aktivitäten einstellen wollten. »We’re doing nothing,« sagst du, Seymour, in Anspielung auf die Negotiationen der Europäer, aber das ist doch das einzig Vernünftige. Was aber sollen die Amerikaner in diesem russischem Roulette denn tun? Was hätten sie überhaupt tun können, wenn die Mullahs der Meinung sind, dass der Ami der grösste aller möglichen Satans ist? Die Europäer haben doch nichts getan: Der Iran baut weiter an der Bombe und unsere Leuchten geben ihnen ein Handels- und Kooperationsabkommen oben drauf. Nichtstun, lieber Seymour, ist immer besser als europäisches Tun.
Wenn die iranische Bevölkerung in einem Punkt einig ist, dann im folgenden: Sie können die Mullahs selbst stürzen, der Westen muss nur endlich aufhören ebenjene zu unterstützen. Die Europäer tun aber genau dies, während die Amerikaner nicht so redewillig sind.
Darauf kam Hersh auch. Also halbwegs. Er sprach davon, verstand es aber irgendiwe nicht ganz. Seiner Meinung nach würden die USA nämlich militärische Einrichtungen bomben, um dem iranischen Volk so etwas wie ein Signal nach dem Motto ihr seid nicht alleine zu senden, welches den Rest dann selbst erledigen würde. Das ist genau was der iranische Widerstand fordert, auch wenn dieser sich zum Teil gegen militärische Aktionen stellt, würde er sicherlich nichts gegen präzise Angriffe auf militärische und mullahsche Einrichtungen einzuwenden haben. Auch ist es sehr unwahrscheinlich, dass das iranische Volk für die möglichen Propagandabilder der Mullahs fallen würde. Ein solcher »Militärschlag« könnte der berühmte Zünglein an der Waage sein.
Der Journalist widersprach damit dem Kriegsgebrüll unserer Medien, aus welchem man doch leicht den Eindruck gewinnt, dass die Amerikaner dort mitsamt McDonald’s und Starbucks einmarschieren werden. Aber die Realität war ja immer ziemlich weit von unserer Wahrnehmung entfernt. Eine gross angelegte Invasion ist schlicht und ergreifend von den Kapazitäten her unmöglich und deshalb haben die Mullahs eine relativ grosse Klappe, den Volksfaktor ganz vergessend.
Ein solch kleiner, aber präziser chirurgischer Eingriff ins Privatleben der Mullahs würde auch genau der Devise Bushs entsprechen: »When you stand for your liberty, we will stand with you.«

Mittwoch, 26. Januar 2005, 18:06
Wo in Europa kann man denn die Daily Show so zeitnah sehen? Kenne nur die Global Edition am Wochenende auf CNN, und auf der HP dauert das ja immer ein bisschen , bis das online ist.
Mittwoch, 26. Januar 2005, 18:41
Click!
Mittwoch, 26. Januar 2005, 19:41
Jon Stewart ist nicht lustig. Das Interview mit Seymour Hersh war auch nicht halb so interessant wie dein Bericht darüber. Mir ist Jon Steward unsympathisch. Besser ist da Blue Collar TV, die sind zwar nicht politisch, aber wenigstens ab und zu mal lustig.
Donnerstag, 27. Januar 2005, 15:17
Ne du, JS ist extrem lustig meiner Meinung nach. Und, im Gegensatz zu vielen Talkern, kann er auch auf der anderen Seite austeilen, z.B. wenn ER mal irgendwo auf der Couch sitzt.
Danke für den Torrent Link, die Leitung raucht!
Freitag, 28. Januar 2005, 18:43
Hey, danke für den Link. Das wäre genau das gewesen was ich jetzt fragen wollte..
Wobei 175 MB pro Show ganz schön happig sind.