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Freitag, 21. Januar 2005

Die Parade der Gartenzwerge

Es war eine Show der Extraklasse in Toulouse, ein Cirque du Soleil in einem Hangar. Dafür lernte selbst der BBC-Moderator die Ankündigung der Show in den vier Sprachen der Airbus-Nationen. Eine ausgesprochen herausfordernde Aufgabe für einen Briten. Alles was sich für einen stolzen Kerneuropäer hält, insbesondere die Mitglieder der Achse der Vielredner/Wenigtuer (offiziell: Achse des Friedens), - Tony Blair wurde wohl nur eingeladen, weil Grossbritannien die Machtdemonstration mitzahlte - reiste in die Grande Nation um den endgültigen Sieg der Europäer im Mutterland des Champagner mit einem Glas ebenjenens zu feiern. Das ganze Schauspiel nannten sie dann auch ganz bescheiden »Offenbarung«. Die Europäer dürfen das, denn sie sind keine religiösen Fundis, wobei dies doch ein bisschen zu einschränkend ist: Sie dürfen grundsätzlich alles, sie sind die Leuchten der Menschheit, les lumières.

Das Problem dabei ist, dass der Rest der Welt nicht wirklich auf dem Laufenden ist. Für einige sind die bloss ein Fortsatz Asiens, für andere sind sie elende Imperialisten, für die Geschichte sind sie der Kontinent der genug krank war sich Faschismus, Nazismus und Kommunismus anzueignen und die Amis sind zu blöd um zu wissen, wo Europa überhaupt liegt. Trotz aller Dummheit verbreitet sich aber ihr Lebensstil und ihre Kultur mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit: Nicht umsonst ist Amerikanisierung fast schon zu einem Synonym der Globalisierung geworden, nicht umsonst gibt es Proamerikanismus und Antiamerikanismus, aber keine -irung und keinen -ismus für Europa. Das kann natürlich nicht angehen, dass das Land welches von unzufriedenen Europäern gegründet wurde, plötzlich seinen Ursprungskontinent bis zur Unwichtigkeit degradiert hat. Etwas musste geschehen!

Und es geschah: Europa baute sich einen grosses Flugzeug! In Zeiten wo der Platz immer knapper wird, in welchen Apple bei seinem neuen MP3-Player angeben muss, dass man diesen doch bitte nicht essen soll, auch wenn er so klein ist, baut Europa einen »Supervogel«. Ganz im Geiste des Snoopy-Erfinders Charles Schulz, der einmal sagte, dass er die Menschheit liebe, nur die Menschen hassen würde, kann man sagen, dass das eigentliche Projekt gar nicht das Problem ist, es sind die Leute drum herum. Denn was diese »Staatsmänner« von sich gaben, glich eher einer Trotzreaktion eines Dreijährigen, der mit seinem Schäufelchen (oder vielleicht eher einem Gameboy Advance SP) vor seinen Sandkastenspielkollegen herumstoltziert und sich dabei für all die Gemeinheiten rächt, die ihm seine Kamaraden angetan haben.

Tony Blair, eigentlich ein vernünftiger Zeitgenosse, entdeckte einen »Beweis, dass wir zusammen auf dem globalen Markt siegen können.« Der Beweis aber, muss zuerst noch erbracht werden, denn Airbus erwartet zwar eine Riesenabnahme, aber sie erwarten diese eben nur, während Boeing nur einen Bruchteil dieser Abnahme sieht. Ob es ein Sieg ist, wird sich zeigen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es einer wird. Aber was für einer? Der Beweis, dass die Europäer ein Riesenprojekt durch subventionieren können, nur um am Ende ein wenig prahlen zu können? Es ist ein Riesenprojekt, keine Frage, aber ist es wirklich ein Beweis für Stärke Europas?

EU-Industriekommissar Günter Verheugen war auch Feuer und Flamme für den A380, aber in erster Linie zeigte der Riesenjet ihm, »dass Europa alles kann, wenn es wirklich will.« Na dann, Europa, Weltfrieden, aber zackig bitte! Anderseits muss man sich dann doch sagen, dass Europa doch wohl nicht so oft will, als dass es sich wirklich lohnen würde, irgendwelche Anforderungen oder Wünsche zu stellen. Aber fangen wir doch einmal klein an, liebe Mitkontinentler: Könntet ihr bitte den Türken sagen, dass sie zu dem Völkermord in Armenien stehen sollen? Und vielleicht noch etwas ganz kleines: Schenkt den Mullahs keine Atombombe, ihr Deppen!

Jacques Chirac bewegte sich auf Tony Blair-Niveau und sprach lediglich von einem »europäischen Abenteuer« und einem »grossen Erfolg für Europa.« Wenn man sich nun ansieht zu welchen Abenteuern die Europäer in der Geschichte schon aufgebrochen sind, sollte man wirklich glücklich sein, dass sie diesmal nur ein Zivilflugzeug bauen wollten…

Der Bundeskanzler dagegen hielt es einfach nicht mehr aus und steigerte sich in Freudenreden ein, da hätte man fast glauben können, Marx sei auferstanden. »Ein grosser Tag für Europa,« rief er, aber das war nur der Anfang. »Unser Europa ist immer noch in der Lage, grossartige Impulse für die Moderne im 21. Jahrhundert zu geben,« setzte er nach, als würde man jetzt das Riesenflugzeug dazu verwenden, überall in der Welt Europäisation zu verbreiten um den Lauf der Amerikanisation zu untergraben. Womit wir bei den bei den europäischen Tugenden wären: »Die Traditionen im guten, alten Europa haben den A380 möglich gemacht.« Es ist Gerhard hoch anzurechnen, dass er die Rumsfeld-Bezeichnung endlich akzeptiert hat. Mal ganz nebenbei sei es angemerkt, dass der Begriff »altes Europa« meines Wissens bis auf Nietzsche zurück geht. Er war wohl einer der grössten, wenn nicht der grösste Denker des 19./20. Jahrhunderts und brauchte, obwohl er Amerika überhaupt nicht mochte, den Begriff ganz im Sinne Rumsfelds. Aber zurück zu Schröder (welch ein Niveauwechsel!): Die europäischen Traditionen sind auf lange Sicht Judenhass und auf eine wenig kürzere Antiamerikanismus und sie haben rein gar nichts mit der Konstruktion eines Flugzeuges zu tun. Oder wie haben es die Amis geschafft ohne die europäischen Tugenden im All herumzujetten oder den Jumbo zu konstruieren? Während in Europa durch Staatssubventionen ein Flugzeug vergrössert wurde, konstruierte in den USA ein privates Unternehmen, ein Flugzeug welches in den Weltraum drang: Ein Riesenschritt für kostengünstige Raumfahrt.

Der spanische König des erfolglosen Appeasements, José Luis Zapatero, quiekte wie ein Frosch bei der Paarung. »Noch nie ist ein Projekt solchen Ausmaßes auf friedlichem Weg verwirklicht worden,« glaubte er fest zu stellen. Dass der José nicht gerade der Hellste ist, wussten wir ja, aber dass er so wenig weiss, dass er den Riesenvogel als letzten Schuss der Menschheit zu bezeichnen wagt, ist dann doch ein wenig überraschend, fast beängstigend. In seinem Gedankengang ist er derweil schon weiter. Er kommt bei der Unbezwingbarkeit des alten Kontinenten an: »Europa kann nicht aufgehalten werden« und deshalb müsse es »auch den USA gegenüber stolz darauf sein, was wir können.« Das Problem dabei ist, dass Europa ganz einfach aufgehalten werden kann (es reicht zu sagen, man hätte etwas grösseres als in den USA gebaut, und schon ist Halb Europa da) und dass es eben nicht so übermässig viel kann. Eher dürfte es unter dem Durchschnitt liegen.

Aber was tut man nicht alles, um seine Minderwertigkeitskomplexe zu überwinden? Nachdem man es mit diversen totalitären Systemen vor ein paar Jahrzehnten versucht hat und mit dem Verrat von Freunden und unterdrückten Völkern vor kurzem versucht hat und man dabei kläglich gescheitert ist, versucht man es eben mit einem Flugzeug. Und tut so, als wäre es die Neuerfindung des Rades.

6 Kommentare zu “Die Parade der Gartenzwerge”

  1. Bastian sagte:

    Stimme grundsätzlich mit dir überein. Ich weiss auch nicht, weshalb man auf dieses Flugzeug stolz sein sollte, wenn es solch riesger Subventionen bedurfte.
    Was ich aber nicht ganz verstehe, wie du vom A380 auf den Judenhass der Europäer kommst. Mag sein, dass du Jude bist, aber diese Unterstellung, in jedem Europäer schlummere ein potenzieller Nazi/Antisemit, ist einfach falsch. Wenn du Antiisraelismus meinst (ja, dieses Wort gibt es nicht..) kann ich dich noch verstehen, du solltest dies aber nicht in jedem Beitrag wiederholen, manchmal ist weniger mehr. Ausserdem ist Kritik an Israel nicht per se antisemitisch motiviert, wenn auch teilweise der Fall. Ich gebe dir insofern Recht, dass die Kritik an Israel (genau wie die Kritik an den USA) oft übertrieben ist und vereinzelt auch aus judenfeindlichen Gründen. Aber die Europäer sind deshalb kein Volk von Antisemiten.
    Würdest du diesen Punkt noch etwas differenzierter betrachten, wäre dein Blog noch einiges besser.

  2. hurensohn sagte:

    der blog betreiber ist sowas von hart ungebildet.

  3. Ariks sagte:

    Wiedereinmal eine interessante Analyse. Hart aber leider wahr.

  4. Rüdiger sagte:

    @hurensohn
    Für deine Bildung

    http://www.fuer-oberfranken.de/erklaerung.html
    http://www.fuer-oberfranken.de/
    (gefunden bei Medienkritik)

  5. JogoVogo sagte:

    Ich finde die Kommentare von Hr. Grabinski richtig gut, Er schreibt was Er denkt.

    Sollten wir alle machen, anstatt das ganze bla.

    gruss
    r.doron

  6. A New European » Fliegende Träume sagte:

    [...] Gut hat man sich nicht zu sehr auf die Schulter geklopft bei der Präsentation. Sehr gut sogar. Weltklasse fast. [...]

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