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Sonntag, 26. Dezember 2004

Blut für Öl

Von Henryk M. Broder

In einem ausführlichen und faktenreichen Bericht, den wir gerne auch in einer deutschen Zeitung gelesen hätten, beschreibt The Washington Post vom 23.12.04 die Beziehungen zwischen China und dem Sudan. “Der Sudan ist Chinas wichtigstes Ölprojekt in Übersee. China ist Sudans wichtigster Lieferant von Waffen.” Die Volksrepublik liefert Panzer, Flugzeuge, Maschinengewehre und andere Kriegswerkzeuge nach Khartoum und bekommt im Gegenzug Erdöl und Bohrkonzessionen, u.a. in der Provinz Darfour, wo regierungsnahe Milizen die Bevölkerung dezimieren. Außerdem hält China seine schützende Hand über dem Sudan und sorgt dafür, daß keine Sanktionen von den UN beschlossen werden.

Nun warten wir nur darauf, daß ein paar Aktivisten der deutschen Friedensbewegung sich vor der chinesischen Botschaft in Berlin versammeln, um unter der Parole “Kein Blut für Öl!” gegen die chinesische Sudan-Politik zu demonstrieren. Bis jetzt warten wir vergeblich. Denn die Aktivisten der deutschen Friedensbewegung wissen zwar genau, wie die Bush-Familie und die Bin-Laden-Sippe zusammen arbeiten, über China aber wissen sie nur so viel, wie sie beim Chinesen an der Ecke gelernt haben. Und über den Sudan wissen sie noch weniger, denn sie haben keinen Sudanesen an der Ecke.

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