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Dienstag, 21. Dezember 2004

Unterschriften für den Krieg

Spiegel hat einen neuen Riesenskandal entdeckt: »Rumsfeld ließ Kondolenzbriefe vom Automaten unterschreiben«. Na, wenn das kein Grund ist, ihn zu feueren, was dann?

In den USA wird Rumsfeld hauptsächlich von den Demokraten und der Linken allgemein angegriffen. Das ist auch nichts neues, schliesslich steht die Regierung unter Dauerfeuer von dieser Seite. Neu ist, dass einge Republikaner sich der Kritik anschliessen, allen voran der Chefredakteur der Bastion der Neo-Cons, dem Weekly Standard, Bill Kristol. Nur konzentrierten sich diese auf das angebliche Fehlen der benötigten Ausrüstung und der zu geringen Truppenanzahl, während Spiegels Hauptgrund für einen Rauswurf automatischen Unterschriften wären.

Die letzte Welle der anti-Rumsfeld-Triaden wurde durch seinen Satz »man geht in den Krieg mit der Armee die man hat, nicht mit der die man gerne hätte oder sich wünscht« ausgelöst. Es ist ein Teil einer Antwort auf die Frage Spc. Thomas Wilsons warum die Wagen mit welchen sie in den Krieg ziehen, nicht genügend Panzerung hätten. Ganz zufälligerweise hatte ein Journalist den Soldat »trainiert« um Rumsfeld »auszufragen«. Dabei wurde medienweit übersehen, was Rumsfeld wirklich geantwortet hatte. Er erklärte nämlich den Anwesenden, dass mittlerweile die Produktion dieser gepanzerten Fahrzeuge bei 400 pro Monat angekommen ist und dass dies eher eine Frage der Physik ist, als eine Frage des Geldes (will heissen: man kann einfach nicht mehr bauen). In Wirklichkeit stieg die Produktion von 35 auf 450 im Monat. Das überall aufgegriffene Zitat folgte erst später und ist im Grunde genommen bloss eine ehrliche Antwort.
Auch der andere grosse Kritikpunkt, nämlich die Truppenanzahl ist ähnlich schwach, erhöhten die Amerikaner doch die Anzahl ihrer Streitkräfte um knapp 10% auf 150′000.

Natürlich ist Rumsfeld kein Prophet, aber genauso wenig sind es Bill Kristol oder John McCain, geschweige all die Demokraten. Die Wahrheit ist, dass keiner den Terroristenaufstand in dieser Form vorhergesehen hat, weil es einfach in der Natur eines Krieges ist, dass er unvorsehbar ist und Dinge sich ändern. Auch die Humvees waren nie für eine Art von Guerilla-Krieg konzepiert und haben deshalb keine Panzerung.
Militärisch war der Irak-Feldzug ein voller Erfolg: Man war an den Toren von Baghdad innerhalb weniger Wochen angekommen, man hatte Baghdad innerhalb von ein paar Tagen entgegen den Prophezeiungen eines zweiten Stalingrads eingenommen und Fallujah fiel schneller als die Medien berichten konnten.

Im Nachhinein weiss man alles besser, nur ist Rumsfeld auch einer von uns und lernt von den Fehlern. Er schreibt aber keine Kolummnen, sondern reagiert.

9 Kommentare zu “Unterschriften für den Krieg”

  1. Niko sagte:

    Ich weiss nicht, ob die Klassifizierung von Bill Kristol als “neocon” ernst gemeint war oder nicht, aber sei’s drum, nur um es richtigzustellen: das einzige, das Kristol in die Nähe der “neocons” um Paul Wolfowitz et al. rückt ist eine ominöse Verbindung zu Leo Strauss’ Theorien. Kristol war seit Beginn des War on Terror einer der eifrigsten Kritiker der Bush-Administration, man möge hierzu einfach mal seine Kolumnen im Weekly Standard lesen, insbesondere Kristol’s Kritik an Bush’s domestic policy. Hardly your partisan hack. Kristol ist kein neo-con, sondern ein old-con, ein Konservativer nach traditionellen Maßstäben.

    Auch zur Frage, ob jemand den Terroristenaufstand vorhergesehen hätte, muss ich widersprechen. Das Problem ist nicht die angeblich unerwartete Stärke der Terroristen. Das Pentagon hat einfach die Rolle der Medien unterschätzt, genauer: dass sich die Medien in diesem Ausmass zu Helfershelfern der Terroristen prostituieren würden. Die heutige Situation der Koalitionskräfte ist mithin vergleichbar mit der Situation der israelischen Armee im mythologischen “Palästina”. Immer wenn ein amerikanischer oder israelischer Soldat auf Terroristen zielt ist sofort eine Kamera-Crew zur Stelle, die daraus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit stilisiert. Und immer wenn ein amerikanischer oder israelischer Soldat stirbt wird die Spirale der Gewalt beschworen, oder, im Fall von europäischen Reportern *cough* AFP *cough*, der Vorfall als legitime Reaktion auf die “unmenschliche” Besatzung verkauft.

    Das Problem ist also nicht, dass zu wenige Soldaten im Irak sind, sondern dass zu viele anti-amerikanische Journalisten dort sind.

  2. Niko sagte:

    Hm, um den Gedanken noch zu Ende zu führen - die Terrorzellen im Irak wären schon längst zerschlagen, wenn die Koalitionskräfte so kompromisslos ans Werk gehen könnten, wie es britische Ermittler gegen die IRA getan haben, französische und spanische Ermittler gegen ETA, italienische Ermittler gegen die Mafia, usw.usf.

    Es ist also nicht nur die Profitgier der Medien - nämlich die nächste grosse Geschichte im Stil von Star Wars zu finden, imperiale Sturmtruppen gegen Rebellen - die den Terrorismus im Irak verstetigen, sondern auch das Wissen von Reportern, dass Terroristen umso eher Journalisten verschonen werden, wenn diese mindestens neutral, eher aber noch einseitig zugunsten der Terroristen berichten. Hier ist auch der Unterschied zum Terrorismus in Europa - entgegen der landläufigen Meinung hätten Reporter, falls die IRA oder ETA Verlagshäuser in die Luft gesprengt hätten, nicht negativer, sondern positiver über die Terroristen berichtet. Dass eurpäische Journalisten im Irak sowieso anti-amerikanisch eingestellt sind erleichtert die Gewissensentscheidung umso mehr.

  3. hali sagte:

    “Natürlich ist Rumsfeld kein Prophet, aber genauso wenig sind es Bill Kristol oder John McCain, geschweige all die Demokraten. Die Wahrheit ist, dass keiner den Terroristenaufstand in dieser Form vorhergesehen hat, weil es einfach in der Natur eines Krieges ist, dass er unvorsehbar ist und Dinge sich ändern.”

    Mit einem terroristischen Krieg war zu rechnen. Schon weil man Al Qaida-Terroristen kannte. Die Terroristen brauchen keinen riesigen Militärapparat. Und Rekrutierungsstätte sind u.a. Moscheen. Gebetshäuser also, die Koalitionstruppen möglichst nicht beschießen und stürmen sollen, um nicht die Bevölkerung gegen sich aufzubringen. Die ganze Stretegie des Terrors ist bestens geeignet, eine friedliche Entwicklung des Irak hin zur Demokratie zu unterbinden, bürgerkriegsähnliche Zustände zu schaffen und die regulären Truppen des Gegners in Kämpfe zu verwickeln, die Kollateralschäden verursachen. Die Schuld wird häufig eben nicht den Terroristen gegeben, sondern den fremden Truppen, die den Irak angegriffen haben. Und diesen Standpunkt vertritt nicht nur die linke Presse, sondern auch ein Teil der Iraker. Bombenattentate können gegnerische Politiker ausschalten, irakische Polizisten, die ihr Land stabilisieren wollen und sie können alle Menschen in Angst und Schrecken versetzen. So wie man es im übrigen auch von Anschlägen auf israelische Zivilisten kennt.

    Alles in allem lässt sich sagen, dass der terroristische Guerillakrieg eine schmutzige, aber erfolgversprechende Kriegsführung ist, vielleicht sogar die einzig wirksame gegen die ansonsten massiv überlegenen US-Streitkräfte und ihre Partner im Irak. Massiv gefördert wird die Bereitschaft zur Selbstopferung schließlich noch durch religiösen Fanatismus, Hetze von Geistlichen wie El Sadr und durch einen Führerkult, den es schon unter Saddam gab, der ja ebenfalls Selbstmordattentäter (Fedajin Saddam “die Opferbereiten”) ausbilden ließ.

    Insofern war der Einsatz des Terrors, auch der Selbstmordattentate, vorhersehbar. Durch das Pentagon und durch die US-Regierung.

  4. hali sagte:

    Ergänzend lässt sich noch anmerken, dass ein gewisser Teil des sog. “irakischen Widerstandes” nicht irakisch ist, sondern aus Terroristen aus anderen Ländern besteht, die es häufig als ihre religiöse Dschihad-Pflicht sahen, den Brüdern gegen “Ungläubige” unter die Arme zu greifen. Und erst recht dieses Phänomen ist nun wirklich nicht neu. Die USA kannten es aus Afghanistan, als sie die islamistischen Kämpfer gegen die UdSSR unterstützt haben. Man kennt die ausländischen Kämpfer aus dem Krieg in Ex-Jugoslawien und Tschetschenien. Man kennt die Terrorakte im Kontext des Nahostkonflikts etc.

    Ein ganz wichtiges Merkmal der Terroristen ist das Fehlen von Uniformen. Sie mischen sich unter das Volk und beschießen den Gegner häufig auch aus dem Hinterhalt. Sie verstecken sich praktisch hinter Zivilisten, nehmen diese als Schutzschild und ziehen sie im Endeffekt auf die eigene Seite, indem sie einen Widerstand des ganzen Volkes konstruieren und fördern. Wer nicht richtig mit den Koalitionstruppen kooperiert, der muss vielleicht nicht viel befürchten. Wer sich der Kooperation mit dem Widerstand widersetzt oder vielleicht sogar ein bekannter “Kollaborateur” ist, also mit den Fremden kooperiert, der wird vielleicht brutal abgeschlachtet. Was wiederum anderen Irakern zur Warnung dient. U.s.w.

  5. Greg sagte:

    Zuerst zu Bill Kristol: Er mag kein NeoCon im Sinne von Wolfewitz sein, aber er und sein Magazon werden immer als Beweis aufgeführt (vor allem in den USA), das jetzt auch Republikaner sagen, Rumsfeld sei ein Versager auf ganzer Linie.

    Der »Widerstand«, ich bleibe dabei, war so nicht erwartet. Im Pentagan, genauso wie bei den Demokraten und allen Kritikern des Krieg, erwartete man die Jungs für die Feuerwerke am 4. Juli zurük. Zumindest das Ausmass war nicht wirklich abzusehen. Dies erklärt zum Beispiel, warum die Panzerungen an den Humvees fehlen.

    Mir ging es prinzipiell darum, aufzuzeigen, warum die Kritik an Rumsfeld unberechtigt oder zumindest hypkritisch ist.

    Und was die anti-amerikanischen Journalisten angeht; Einerseits stimmt es und das Pentagon arbeitet ja mittlerweile mit der »Beginne um Mitternacht, ende im Morgengrauen«-Strategie. Nicht umsonst hiess der Angriff auf Fallujah Morgendämmerung. Anderseits erachte ich diese anti-amerikanische Berichterstattung als Erfolg für unsere Freiheit, als bester Gegenbeweis gegen linke Verschwörungstheorien, dass die Amerikaner Medien gleichschalten würden. Nur geschieht das auf Kosten der GIs und der Iraker…

  6. Niko sagte:

    Mir ging es auch nicht um Berichterstattung als solche. Was aber soll man davon halten, wenn amerikanische und französische Reporterteams eine Viertelstunde lang filmen, wie Terroristen eine Panzerfaust aufbauen, oder eine Boden-Luft-Rakete auf DHL-Maschinen abfeuern? Das hat nichts mehr mit freier Presse zu tun, das ist Hochverrat. Wie InstaPundit zu schreiben pflegt, “They’re not against war. They’re on the other side.”

    Zu Bill Kristol noch - mag sein, dass er als Beweis für irgendetwas angeführt wird. Genauso häufig wird behauptet, Wolfowitz sei ein Agent Israels, weil er sehr häufig Kontakte zu Sharon’s Regierung hat. Und jetzt? Ich empfehle trotzdem, sich die Artikel von Kristol mal durchzulesen. Nach seiner Auffassung waren die Ideen richtig, aber Bush hat fast alles falsch gemacht, und zwar nicht erst jetzt, sondern immer schon. Die “neue” Kritik von Kristol ist so als würde man sagen, “auch Noam Chomsky wird zunehmend skeptischer.”

    Und was die Panzerungen an den Humvees angeht:

    http://powerlineblog.com/archives/008949.php

    Keine andere Armee in der Geschichte der Menschheit war jemals so gut ausgerüstet, und hatte solche Resourcen zur Verfügung wie die US Marines im Irak. Dass ein kleiner Teil der Humvees nicht so gepanzert war wie man sich das wünscht ist richtig. Aber die überwiegende Zahl der Toten GIs ist nicht zu beklagen wegen unzureichend gepanzerten Humvees. Sie wurden aus dem Hinterhalt erschossen, von Snipern, durch IEDs am Strassenrand, im Jeep.

    Ich würde euch dringend empfehlen, nicht auch noch auf diesen Zug aufzuspringen. Die Situation der US-Armee deckt sich mit der Situation der israelischen IDF. Beide sind geknebelt von internationalen “Beobachtern”. Wenn es diese nicht gäbe, wäre der sog. “Aufstand” schon längst im Keim erstickt. Die US-Regierung hätte zu Beginn schon Visa für Journalisten verweigern sollen. Nirgends, in keiner Verfassung, in keinem Staatsvertrag ist das Recht verankert, dass Journalisten Zugang zu Kampfgebieten zusteht. Ich kann nur noch den Kopf schütteln, wenn aus dieser Forderung interpretiert wird, “Ja, das ist der Anfang der Gleichschaltung.”

  7. Niko sagte:

    Hier ein aktuelles Beispiel für den Journalismus den ich meine:

    http://belmontclub.blogspot.com/2004/12/odds-against-associated-press-article.html

  8. Michael B. Ruhrgebiet sagte:

    Es sind noch nicht mal Terroristen (Terroristen haben meist ein politisches Ziel, das sie durchsetzen wollen, sind also irgendwo Idealisten, wenn auch meist sehr krank im Kopf und fehlgeleitet), die da im Irak Attentate durchführen, es sind gekaufte Killer von den Warlords, von der Seilschaft von Saddam. Die Warlords sind aber keine Saddam-Anhaenger, es sind einfach die früheren Helfer von Saddam, von denen die Oberen 20-Mio-Dollar-Villen bewohnen. Die sind natürlich sehr traurig darüber, dass die Einnahmen nach dem Sturz Saddams auf Null geschrumpft sind. Sie tun natuerlich alles, um einen stabilen Irak zu verhindern.

  9. Michael B. Ruhrgebiet sagte:

    hab noch vergessen:

    Die Warlords sind aber keine Saddam-Anhaenger, Saddam ist denen scheissegal, sie wollen einfach ihr altes Einkommen wiederhaben

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