Donnerstag, 25. November 2004
Wer sind wir?
Holger Wenk ist stellvertretender Beisitzer im dju-Bundesvorstand. Das ist wohl soetwas wie ein Impotenter bei einer Sex-Orgie. Auf alle Fälle hat er etwas gegen Blogs. Ob er nun sich in seiner Lage des Beisitzens bedroht fühlt, oder ihm unwohl beim Gedanken wird, dass jetzt Leute seinen Schwachsinn überprüfen, öffentlich anprangen und damit noch Publikum erreichen können ist unklar, aber genauso unwichtig. Eines ist klar: Er hat Angst!
Schon im ersten Paragraphen lügt er:
Doch ausgerechnet da, wo schnelle Information und Trenderkennung obsiegen sollte, versagte der tolle Cyberjournalismus: Traditionelle Medien sowie Wettbüros und ihre schnöden Mammon-Quoten spiegelten den tatsächlichen Wahlausgang exakter wieder als die Blogger, konstatiert das Online-Portal Cnet.
Zu erst einmal, versagten diese traditionellen Medien vor den Wahlen indem von der »Objektivität« von der der Marxist später palavert, wenig übrig blieb. Es war klar, Kerry ist der Bessere, er muss gewinnen! Nach den Wahlen erzählten sie uns von einer Masse tieffundamentalistischer Wähler. In Wahrheit waren diese Leute nur 22%, und alles andere als tieffundamentalistisch, da die Journalisten-Leuchten den Begriff »Moral Values« nicht verstanden.
Journalisten in einer demokratischen Gesellschaft sind dazu berufen, möglichst objektiv oder entsprechend nachvollziehbarer Kriterien der Medienbesitzer (Tendenz) die Realität widerzuspiegeln.
Und Blogger tun bitte was? Unabhängig von politischer Meinung, können sie sich die Wahrheit auch nicht erfinden, denn die ist dieselbe für alle. Auch für Holger Wenk. Was sind eigentlich nachvollziehbare Kriterien? Nachvollziehbar für wen? Für solche welche mit der Tendenz einverstanden sind vielleicht… Wie kann man von Objektivität sprechen und im nächsten Satz behaupten Tendenzen wären in Ordnung? Blogger sind doch genau das, was er hier als Tendenz beschreibt. Auf höherer Mission ist keiner von uns, wir glauben nur, dass unsere Meinung wichtig ist und jeder ist willkommen unsere Quellen zu überprüfen und uns zu kritisieren. Gerade weil wir sagen was wir denken, nicht so tun als wären wir neutral, sind wir nützlich. Bei einem Journalisten weiss man nie, ob er wirklich objektiv ist, oder nur so tut als wäre er es. Journalisten sind auch nur Menschen, auch Holger, und haben Positionen welche nun einmal in die Berichterstattung einfliessen. Das ist natürlich, nur kennen die Leser diese nicht. Zumindest wollen Journalisten es nicht, weil es die Objektivität wegnehmen würde. Bei den Bloggern weiss jeder: Die Realität ist eine Konstante, er hat eine Meinung dazu. Sie ist angreifbar und Angriffe sind sogar erwünscht, während es wesentlich schwerer eine meistens nicht mit Quellen untermauerte Nachricht zu überprüfen.
Schlussendlich kommt Journalismus von Journal. Und ein Journal ist nichts anderes als eine Berichterstattung. Wenn man dies als Definition nimmt, dann sind die wenigsten Klugscheisser die über Amerika und den Irak philosophieren Journalisten, sind sie doch nicht vor Ort. Vielleicht könnte Holger Wenk ‘mal irgendwo beisitzen gehen und zeigen wozu echter Journalismus im Stande ist!
Dessen Kern [des Journalismus] besteht aus drei Elementen: Professionelles Handwerk (beim Umgang mit Sprache, Text, Bild), Moral & Ethik (Standards z. B. im Umgang mit Quellen) und Verantwortungsbewusstsein (für die gesellschaftliche Aufgabe von Journalismus).
Umgang mit Sprache? Jeder ohne Journalismus-Diploma kann also mit Sprache nicht umgehen. Oh, wie werden Blogger denn nur verstanden? Und was den Umgang mit Bildern angeht, haben sie sich auch nicht immer im Griff: Wenn ein Amerikaner einen Terroristen schiesst, dann ist das Video überall, aber wenn eine CARE-Mitarbeiterin umgelegt wird, ist das Video plötzlich zu brutal.
Dasselbe gilt für Moral & Ethik. Wer bestimmt was Moral und Ethik ist? Nietzsche, Platon oder vielleicht doch Vater Marx? Ist es nicht unmoralisch, Terroristen, Aufständische oder Rebellen zu nennen? Kinderficker nicht zumindest Pädophile zu nennen?
Was soll eigentlich die gesellschaftliche Aufgabe der Medien sein? Bzw. inwiefern wird denn diese durch das kontinuierliche Verschweigen von einzelnen Ereignissen, und dem Insistieren auf Andere, erfüllt?
Der professionelle Zugucker spricht den Blogger alle drei Elemente ab. Sie sind also unmoralisch, notarische Lügner und sind unfähig sich auszudrücken. Danke für die lieben Worte, alter Beobachter. Man muss den Holgi aber auch verstehen, wenn man sich ansieht was die Amerikanischen Blogger mit der eigentlich schon lebenden Legende Dan Rather angestellt haben, dann wird jetzt wohl jeder Journalist seine »Quellen« genauso wie Blogger überprüfen müssen. Denn Blogs haben die dirkte Möglichkeit zur Interaktion mit dem Leser wodurch eine Lüge nie sonderlich weit kommen wird und extreme Ansichten relativiert werden können.
Beängstige Dinosaurier sind der beste Beweis, das etwas sich in die richtige Richtung entwickelt. Das ist wahr für Holgi, wie auch die Europäischen Intellektuellen welche um ihren Platz in der Welt zittern.
Ich habe zwar schon oft nach den Medien gerufen, aber ich tue es noch einmal, diesmal müsste gerade die dju reagieren. Im Iran sitzen zwei Journalistinnen im Gefängnis. Zumindest in den Pausen zwischen den schweren Misshandlungen. Muss tatsächlich ein Blogger darauf aufmerksam machen? Wäre es nicht die Aufgabe einer Union, sich für Berufskolleginnen (auch wenn diese nicht in ihrer Union sind) einzusetzen? Fällt dies nicht auch unter »Moral & Ethik«?

Freitag, 26. November 2004, 18:05
Danke Greg, du sprichst mir aus der Seele… Gruß aus Köln, Stefan :-)
Samstag, 27. November 2004, 11:08
Von mir gibt’s dazu einen Leserbrief an die M-Redaktion, den man auch in meinem Blog immateriblog.de nachlesen kann.
Gruß,
Matthias
Montag, 29. November 2004, 00:02
“Blogger tun bitte was?”
Against Me - Wer sind wir? “Holger Wenk ist stellvertretender Beisitzer im dju-Bundesvorstand. Das ist wohl soetwas wie ein Impotenter bei einer Sex-Orgie. Auf alle Fälle hat er etwas gegen Blogs. Ob er nun sich in seiner Lage des Beisitzens bedroht fü…
Montag, 29. November 2004, 12:25
Hallo!
ich habe es woanders schon geschrieben, will das aber noch mal überall deutlich machen:
Was auch immer Holger Wenk gegen die Webloger hat - ob nun aus privaten, aus persönlichen oder aus beruflichen Gründen als Freier Journalist und wie falsch seine Argumente und Standpunkte auch sein mögen, bedeutet es doch noch lange nicht, dass die gesamte “dju” seine Äußerungen teilt.
Die “dju” hat nix gegen Weblogs.
Herzliche Grüße trotz allem,
Oliver P.
Montag, 29. November 2004, 12:35
Das mag natürlich sein, auch er nicht der einzige Journalist ist, der so einen Stuss schreibt. Ich habe hier ja auch nur diese Leute, nicht den ganzen Verband angegriffen, obwohl es natürlich nicht für die dju spricht, dass sie so einen Opa beisitzen lassen…
Donnerstag, 2. Dezember 2004, 02:25
Hallo greg,
auch an Dich meine Entschuldigung, dass ich meinen Kommentar in Deinem Blog dazu genutzt habe, die “Sippenhaftung” der “dju”, wie es Matthias treffend genannt hat, zu verhindern oder “abzuwürgen”, die ich woanders entdeckt hatte.
Aber da immer alle mit allen verlinkt sind, war wohl meine Idee, auch überall einen ähnlichen Kommentar reinzukopieren.
Siehe auch meinen zweiten Kommentar bei http://www.immateriblog.de/archives/000207.html
Nächtliche Grüße auch an Dich,
Oli P.