Sonntag, 31. Oktober 2004
»Ich habe nichts gegen Juden, nur gegen Israel«-Mythos
Ihr kennt sicher die im Titel erwähnte Legende und sie ist verbreitet. Sehr weit verbreitet. Israel ist mittlerweile zum Objekt geworden, auf welches man seinen tief in der Geschichte verwurzelten Judenhass projektieren kann. Man beruft sich auf das Recht einen Staat zu kritisieren, rechnet aber mit dem vom eben jenem Staate repräsentierten Volk ab. Denn wenn es einem so am kritisieren von Staaten die Verbrechen begehen liegen würde, hätten wir dieselbe Anzahl von Demonstration für sagen wir einmal Frauenrechte in Saudi Arabien wie für den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten. Dann hätten wir nicht eine UN-Organ welches sich um Palästinensische Flüchtlinge kümmert, und nur ein anderes welches sich um alle anderen Vertriebenen kümmert. Wir hätten vielleicht sogar ein Organ für Frauenrechte in Arabischen Staaten, wenn diese nicht unsere heilige Kuh wären.
Der eher gemässigte Islamwissenschaftler Eldad Beck hat sich in der Jüdischen mit dem Problem des Israelhasses befasst:
Ein paar Stunden nach den blutigen Terroranschlägen in Madrid, am 11. März 2004, sprach ich mit einem israelischen Freund, der in Spanien lebt. Du wirst sehen, sagte er mir am Ende des Gesprächs, früher oder später werden wir, die Israelis, für diese Aktionen verantwortlich gemacht.
Kaum zwei Wochen danach erschien in der Financial Times Deutschland ein Kommentar vom Korrespondenten in Brüssel, in dem man u. a. lesen konnte: Der Respekt vor den Opfern des Holocaust hat es uns verboten, Israels Regierungen mit denselben Maßstäben zu messen wie andere westliche Regierungen … Wir haben die Siedlungs- und Besatzungspolitik der israelischen Regierungen toleriert und die Palästinenser den Preis dafür zahlen lassen. Das hat in der arabischen und muslimischen Welt einen Hass groß werden lassen, der am 11. September 2001 und am 11. März 2004 auf uns zurückgeschlagen hat.
Die Financial Times Deutschland hat ja so Recht. Nie, nie, nie haben wir Israel kritisiert und immer, immer, immer die Palästinenser für den Konflikt verantwortlich gemacht. Unser Hass auf das arme Volk ging sogar so weit, dass wir dem Terroristen an der Spitze des Volkes sogar den Nobelpreis vergaben!
Mein israelischer Freund in Spanien ist kein Prophet. Aber er konnte genauso wie viele andere Israelis beobachten, wie seit Beginn der zweiten Intifada die europäische Haltung gegenüber Israel vergiftet und wie Israel systematisch diabolisiert und für alle Probleme der Menschheit verantwortlich gemacht wird. Denn die Meinung der Financial Times ist im heutigen Europa sehr verbreitet. Israel hat den traditionellen Platz der Juden als Wurzel aller Bosheiten eingenommen.
Aber nicht doch, wir sind intellektuell gereift, wir würden nie und nimmer ein Volk pauschal hassen. Wir doch nicht! Die Deutschen schon gar nicht!
Die Beziehungen zwischen Europa und Israel haben einen historischen Tiefpunkt erreicht. Um diese Krise zu erklären, muss man sich die Geschichte in Erinnerung rufen.
Die Geschichte beginnt lange vor dem Zweiten Weltkrieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Heilige Land Teil des ottomanischen Reiches war. Es war eine Zeit, in der kaum jemand im Nahen Osten das Wort Palästina kannte und in der Jerusalem eine verlassene Stadt war, die in Ruinen und Schmutz lag.Der Terminus Palästina ist eine Erfindung der Europäer, als sie ihr Interesse für die Region entwickelten: Anstelle von Bibelbegriffen suchte man einen Namen, der von den Römern gebraucht wurde Palästina. In dem Bestreben, die Identifikation der Juden mit dem Land Israel abzuschwächen, verwiesen die Römer auf die Philister eine nicht mehr existierende Bevölkerungsgruppe, die in früheren Zeiten in der Gegend des heutigen Gazastreifens gelebt hatte.
Die heutigen Palästinenser haben natürlich nichts mit den Philistern zu tun, obwohl Arafat es ab und zu behauptet. Die Palästinenser waren auch nicht die ersten Christen wie die erfundene palästinensische nationale Mythologie meint. Jesus war kein Palästinenser, sondern ein Jude. Aber komischerweise sind alle diese falschen Mythen über die Verwurzelung der Palästinenser im Lande Israel in Europa als historische Wahrheit akzeptiert. Wie bequem ist es, auf Basis dieser Lügen den Vergleich zwischen den von den Juden gequälten Palästinensern und Jesus zu ziehen.
Auf Arabisch erscheint der übersetzte national-politische Terminus Falastin nur im 20. Jahrhundert: Auf der Pariser Friedenskonferenz von 1919 ist von Palästina als Teil des arabischen Syriens die Rede, der Abgeordnete des Obersten Arabischen Komitees der UNO sagte 1947 vor der Vollversammlung, dass Palästina Teil der Provinz Syriens war, und sogar Ahmad Shuqeiri, der spätere Vorsitzende der PLO, sagte vor dem Sicherheitsrat: Jeder weiß, dass Palästina nichts anderes ist als das südliche Syrien.
Ein bisschen Geschichtsunterricht, welchen man so nicht in unseren Geschichtsbüchern wiederfindet… Desweitern, warum mögen die Arabischen Länder die Palästinenser eigentlich nicht? Warm fällt es den Palästinensern (und Europäern) nicht auf, dass sie von den anderen Arabischen Staaten zum Juden hassen benutzt werden?
Die Juden waren die Einzigen, die sich für Palästina interessierten, und bekamen dafür Unterstützung von den Briten. Aber sofort, nachdem die Briten das Land erobert hatten, begann der Wandel in ihrer Position: Die erste Teilung Palästinas gab den Arabern 80 Prozent des Territoriums des Mandats über das Land Palästina (heutiges Jordanien). Wenn die Palästinenser sich heute beschweren, dass die Juden 80 Prozent vom historischen Palästina kontrollieren, stellt sich die Frage, von welchem historischen Palästina sie überhaupt sprechen?
Zudem sprechen die Palästinenser ja desöftern von ihrem »heiligen Land«. Geht ‘mal nachschauen wie viele Male Jerusalem im Koran erwähnt wird, und wie viele Male im Alten Testament… Kleiner Tipp (und viele andere interessante Zahlen!).
Gegenüber dem Verbrechen des Holocaust gab es nach dem 2. Weltkrieg keine andere Alternative, als endlich den Juden eine nationale Heimat zu geben. Man hat aber in Europa nie wirklich die Tatsache akzeptiert, dass die Juden in ihrem Staat souverän sein könnten. Die Juden wurden nicht nur von den Moslems traditionell geduldet. Auch die Christen sind daran gewöhnt, die Juden als Vasallen oder Diener zu betrachten. Sobald Israel begann, seine eigenen Interessen wahrzunehmen und zu verteidigen (ohne Rücksicht darauf, was die Europäer dazu zu sagen hatten) wurde die Beziehung der Europäer zu Israel problematischer.
Und so entdeckten die Europäer die Causa Palästina. Der Slogan Juden nach Palästina hat sich zum Slogan Juden aus Palästina gewandelt. Der Kampf um die Legitimität Israels fing an. Niemand in Europa fragt sich, wo liegt das Existenzrecht Saudi- Arabiens, Libanons, Kuweits, Jordaniens oder sogar Palästinas. Man debattiert aber gern und offen über die Frage, ob Israel als künstlicher Staat in dieser Region das Recht zu existieren hat oder nicht. Und man beschuldigt Israel, dass es den Respekt vor dem Holocaust für politische Zwecke missbraucht. So wird das Opfer zum Täter.
Und wieder muht die heilige Kuh…
Viele Europäer haben das Gefühl, dass man Israel den Juden als moralische Entschädigung geschenkt hat. Und wie jedes Geschenk könnte man Israel zurücknehmen, wenn sich die Kinder Israels nicht gut verhalten. Der Grund dafür ist einerseits purer Kolonialismus und anderseits der Wille, seine eigene Vergangenheit zu reinigen. Ich behaupte nicht, dass alles was Israel macht gut ist. Heute kann man auch nicht die Existenz einer neuen palästinensischen nationalen Identität verleugnen, die das Existenzrecht Israels bedroht. Israel ist keine imperialistische Macht, die nur an der Unterdrückung der Palästinenser interessiert ist. Israel befindet sich mitten in einem blutigen Krieg, der entscheidend für seine Zukunft ist.
Das ist auch ganz kurios. Deshalb, meine Europäischen Brüder, eine Klarstellung: Nur weil wir während Jahrhunderten aus Spass an der Verbreitung des christlichen Glaubens Länder besetzt haben, Völker ausgerottet haben (nicht nur die Indianer übrigens!) und viele andere Schweinereien begangen haben, heisst dies noch lange nicht, dass Israel Palästina jüdisch machen will! Sie wollen nur in ein Café gehen, ohne in die Luft gejagt zu werden. Ist das so schwer zu begreifen?
Anstatt Verständnis für diese schwere Situation aufzubringen, diskutiert man in Europa, wo genau die Grenzen der Kritik an Israel liegen. Aber, seit wann darf man in Europa, sogar in Deutschland, Israel nicht kritisieren?
In Wahrheit handelt es sich um das Recht Europas, sich in Angelegenheiten Israels einzumischen. Wenn alle Fraktionen des Bundestags sich erlauben, einen Unterstützungsantrag über die sehr umstrittene Genfer Initiative zu befürworten, ist es eine inakzeptable Intervention in die internen Affären Israels. Eine Grenze ist hier überschritten. Schlimmer ist die Finanzierung von israelischen Parteien und politischen Organisationen durch deutsche und europäische Stiftungen und Ministerien. Der deutsche und europäische Kolonialismus ist wieder da. Dass nur Europäer ihre unausgewogene Kritik äußern, ist nicht zielführend. Sie sollen auch zuhören, was die Israelis zu sagen haben, und das als legitim akzeptieren.
Hier ist doch das Problem! Die kritisieren, jammern und nörgeln immer am falschen Akteur. Jeder Schritt Israels oder der USA wird in Zeitlupe beobachtet, während die Arabischen Staaten ungestört Kinder ficken, Frauen verprügeln und ihr Volk tyrannisieren. Es wird zugehört, wenn die Mullahs in Teheran behaupten, Atomforschung nur zu friedlichen Zwecken zu betreiben (schliesslich sind sie die Friedlichsten aller Pazifisten), Israel hingegen wird für den Besitz absolut notwendiger Selbstverteidigungsatomwaffen in der Luft zerrissen genauso wie die Amerikaner die Inkarnation des Teufels sind weil sie nukleare Technologie für wiederum absolut notwendige Bunkerbrecher verwenden. Oder weiss jemand in Europa wie die Amerikaner diese Bunkerbrecher erklären? Oder die Israelis die Atomwaffen? Eine Rolle würde es sowieso nicht spielen, die Rationalität ist schon lange abhanden gekommen…

Dienstag, 14. November 2006, 13:00
Grabinski,
soll daß etwa heissen, daß Sie ethnische Säuberungen befürworten? Wer hat den Wen vertrieben? Waren die jüdischen Fundamentalisten keine Terroristen? Ach die armen Juden. Sie vertreiben einfach die Palästinenser, morden und zerstören und die bösen Palästinenser wehren sich. Kaum zu glauben. Was bilden sich die Palästinenser ein. Sie sollen sich einfach töten und vertreiben lassen.
Hatten die Menschen in Palästina nicht das Recht gehabt auf ihrem Land zu leben?
Die Vertrieben sind die Täter, und die Opfer die Vertreiber. Habe ich das richtig Verstanden?
Im übrigen werden die Juden den Palästinensern niemals Land zurückgeben. Das einzige was die Palästinenser bekommen werden, ist ein Reservat.
Was ist eigentlich mit den über zwanzig Millionen ermordeten Menschen (Indianer)in Nordamerika? Waren das indianische Terroristen, Manitufundamentalisten?
Und die sechs Millionen Menschen in Vietnam? Ermordet für Freiheit und Demokratie!
Sonntag, 16. März 2008, 11:34
werter herr grabinski,
mein herz blutet, ob der vergifteten diskussionen zum thema palästina/ israel. längst habe ich die hoffnung auf verständigung aufgegeben.
doch einige fragen werden immer dringender:
” was werden unsere nachfahren über uns denken? ”
” was werden die israelis und palästinenser des 21. jahrhunderts über sich selbst denken? ”
alle kämpfe die wir kämpfen sind letztendlich nur ein kampf gegen uns selbst.
patrick maxwell
Mittwoch, 14. Mai 2008, 02:52
Wie beurteilen Sie die Ansprüche der “Palästinenser” auf das Land Israel/Palästina (wie man es auch immer nennen will)? Hatten die Briten überhaupt das Recht, das Land zu “verschenken”, insbesondere wenn man den Kolonialismus im Nachhinein vielleicht für ein Unrecht halten mag. Stammen evtl. die Palästinenser nicht auch zu einem Teil von Juden ab, gemischt mit arabischen Volkern, Römern, Ägyptern etc. Welche Ansprüche würden sich daraus ergeben. Hat die UNO überhaupt das Recht Staaten zu schaffen? Was ist mit dem palästinensischen Standpunkt - der Forderung nach “Rückkehr aller vertriebenen Palästinenser”?