Samstag, 9. Oktober 2004
Und sie wählen!
Und wieder sollten wir uns wieder an alle Befürchtungen zu erinnern: Es werden überall Anschläge verübt, es wird betrogen werden, aber keiner wird es merken.
Die Realität straft sie wieder einmal lügen. Die Afghanen gingen wählen, aber niemand verübte Anschläge. Einige versuchten zu betrügen, doch es flog sofort auf. Ob die Wahlen nun gültig sind oder nicht, steht in den Sternen, aber ein weiterer, absoluter Beweis, dass man Demokratie mittels Gewalt propagiert werden kann, wenn es nicht anders geht.
Natürlich hat es die UNO wieder verschissen. Geheult haben sie, dass sie die Wahlen überwachen wollen mit allen möglichen Organisation, mit allen möglichen Mitteln. Dass sie die Wahlen organisieren müssen, da nur sie die Wahlen neutral veranstalten können (was ist eigentlich mit den Schweizern, hm?). Zwischen Anspruch und Wirklichkeit waren aber einmal mehr Galaxien. Die Tinte sollte Sicherheitsgarant Nummer 1 sein, aber sie ging besser weg als Pelikan-Tinte mit welcher ich mich regelmässig vollklekse und sie nur mit mehrstündigen Bädern wegbekomme. Auch zählen können sie nicht, erhielten doch einige mehrere Wählkarten, während anderswo diese wiederrum fehlten.
Die hiesigen Medien fokusieren sich ausschliesslich auf die Probleme mit der Tinte, übrigens ohne zu erwähnen, dass die UNO die Schuld daran trägt. Entweder weil ihre Tinte scheisse ist, oder weil sie die Afghanischen Offiziellen nicht genügend aufgeklärt haben, wie diese zu verwenden ist.
Der positive Faktor wird - irgendwie wundert es keinen - hier unter den unter den Tisch gekehrt. Die New York Times berichtet da etwas differenzierter. Dass in einem Land zum ersten Mal nach 20-jährigem Chaos gewählt wird ist ein grosser Erfolg, den man hauptsächlich den Amerikaner zu verdanken hat. Es ist nur mehr als natürlich, dass eben dies nicht vollkommen reibungslos ablaufen kann. Dies erwarteten auch nur die Europäischen Utopisten. Dass dort wo vor 3 Jahren Mädchen noch unter keinen Umständen in die Schule durften, nun wählen gehen, ist ein Riesenerfolg. Dass im ganzen Land die Leute Schlage stehen um zu wählen, sollte nicht von ein paar Betrügern überschattet werden. Auch die Wahlbeteiligung war immens und die Wähler scheinen auch nicht gross von irgendwelchen Warlords beeinflusst geworden zu sein, was die einzelnen Fälle von Betrug noch unwichtiger erscheinen lässt.
Alles in allem muss man sagen, dass dies - trotz aller Probleme - ein grosser Tag für Afghanistan und Demokratie ist.
An dieser Stelle sollte man auch allen Amerikanischen und Allierten Soldaten danken, die für diese Wahlen den höchstmöglichen Preis gezahlt haben.
