Sonntag, 31. Oktober 2004
Studien die keine sind [Update]
Eine komplett nichtssagende Studie wird wieder zum Schlagzeilenmachen verwendet. Diesmal ist’s fast wie Weihnachten für die Europäischen Medien, denn die Studie kommt aus den USA (Michael Moore-Syndrom). Während die deutschsprachigen Medien sich noch ziemlich ruhig verhielten, figurierte die Umfrage auf der Titelseite der täglichen Le Monde (oder wie No-Parasan richtig titelte, Al-Jazeera sur Seine), einer der auflagestärksten, wenn nicht der auflagestärksten, täglich erscheinenden Zeitung im Froschland. Deutschland sollte sich aber nicht hängen lassen, N-TV ging schon einmal voraus:
Als Folge des Irak-Krieges sind einer Studie zufolge seit März vergangenen Jahres schätzungsweise 100.000 Zivilisten umgekommen. […]
Das Risiko eines gewaltsamen Todes ist demnach im Irak seit dem Krieg 58 Mal höher als zur Zeit des Regimes von Präsident Saddam Hussein.
Das stimmt so schlicht und ergreifend nicht. Fred Kaplan erklärt auf Slate wieso. In der Studie steht nämlich folgendes: »We estimate there were 98,000 extra deaths (95% CI 8000-194 000) during the post-war period.« Dies heisst nun, dass sie 98′000 Tote schätzen, diese Schätzung aber komplett aus der Luft gegriffen ist, denn die »95% CI« heissen nichts anderes als eine Fehlerquote von 95% und damit ist von 8′000 bis zu 194′000 Toten alles drin. »Es ist keine Schätzung, sondern ein Dart-Board« meint Fred Kaplan im Slate-Artikel und hat sicherlich Recht. Weiter schreibt er, wenn er behaupten würde, Bush würde mit 4 bis 96 prozentiger Sicherheit wiedergewählt werden, dann würde ihn niemand (logischerweise) Ernst nehmen. Warum sollte man also diese Studie ernst nehmen?
Es ist nun klar, dass solche Schätzungen in einem Nach Kriegs-Irak nur sehr schwer zu etablieren sind. Man kann deshalb nicht die Wissenschaftler angreifen, absichtlich die Studie verfälscht zu haben, sehr wohl aber für den Hype drum herum. Gilbert Burnham, einer der Ko-Autoren, sagte der International Herald Tribune, dass die Schätzung mit den 100′000 Toten nur eine Konservative wäre, in der Studie liest man aber wie schon erwähnt, dass alles zwischen 8′000 und 194′000 »richtig« wäre und es keine Anhaltspunkte gäbe, wo die tatsächliche Zahl läge.
Die ausgewählten 988 Haushalte waren auch alles andere als zufällig, da diese auf 33 Zonen verteilt waren, aber das Team nicht zu allen durchdrängen konnte und auf andere Zonen ausweichen musste oder in Zonen nicht genüg Leute zum interviewen fand und wieder auf andere Zonen ausweichen musste.
Beth Osborne Daponte, Senoir an der Yale University für soziales und politische Studien, sagte, dass es zu dieser Zeit eines Konfliktes unmöglich ist, glaubhafte Studien über die Anzahl von Toten zu erstellen.
Die Zahl wurde aus dem Vergleich der Sterblichkeitsrate vor und nach dem Krieg gezogen. Und hier ist auch der grösste Kritikpunkt der »Studie«. Die vor dem Krieg-Sterblichkeitsrate wird auf niedrige 5 Promille gesetzt was relativ unwahrscheinlich ist, denn zur Zeit des Golf-Krieges von 1991 war sie bei 6,8 und danach gingen sie - obwohl etwas unklar - eindeutig nach oben. Wenn die Nach Kriegs-Rate also tatsächlich bei 7,9 liegt, ist sie aller Wahrscheinlichkeit nach nichts wesentlich anders als die Vor Kriegs-Rate.
Die Studie ist also komplett sinnlos, und dennoch stürzen sich alle Medien darauf. Es kann vieles sein, aber es ist wohl nicht auszuschliessen dass sie ihr Geschrei gegen die Invasion, ihre »Schätzungen« von hundertausenden von Toten und Millionen von Flüchtlingen, ihre Unterstützung des Diktators Saddam Hussein, also ihr unübersehbares Versagen zu kaschieren versuchen.
Dass Positives es nie in die Medien schafft, ist ein weiteres Argument für die These. Oder habt ihr etwas davon gelesen, dass 80′000 Kinder leben weil Saddam nicht mehr an der Macht ist, dass 75% der Iraker Demokratie wollen?
Oder von Voices of Iraq? Einem faszinierendem Projekt, welches im Irak 150 Videokameras verteilte und was dabei rauskam war für die Europäischen Medien wohl zu überraschend: Leben im Irak ist normal! Vielleicht nicht nach Westlichen Standards, aber wesentlich besser als unter dem blutrünstigem Regime Saddams: Kinder spielen, Jugendliche albern ‘rum und Jungs haben ungefähr genau so viel Erflog beim anbaggern von Irakerinnen wie die Terminator-ähnlichen Deutschen oder Schweizer in Diskos, welche versuchen heisse Südländerinnen anzumachen, bevor sie nach Thailand fahren und sich eine Frau kaufen. Leute sprechen von den Freudentänzen die sie tanzten als sie gehört haben, dass Saddam gefasst wurde und von den Freudenschüssen am Beginn des Prozesses gegen den Diktator. Ein anderes Video zeigt hingegen eine politische Diskussion in einer Familie (ein weiteres Dokument für Freiheit) deren Sohn auf die Frage, was er ‘mal werden möchte, »Amerikaner« antwortet!
Oder wurde in der Menge von anti-Amerikanischen Büchern ein Buch wie Hell Is Over, welche die Kurden sprechen lässt, entdeckt?
Dennoch gibt es Lichtblicke im anti-Amerikanischem Europa, nämlich Rumsfelds Neues Europa, Polen allen voran. Im Gegensatz zu Westeuropa würden dort über 40% für Bush stimmen, während nur knapp über 30% für Kerry sind. Es ist bezeichnend, dass ehemals kommunistische Länder, wesentlich pro-Amerikanischer sind, als solche die nur in guten Zeiten gelebt haben, nie für Brot anstehen mussten…
UPDATE: Es gibt da einige Helden, welche sich beschweren, dass Falluja nicht in die Statistik mitaufgenommen wurde. Diese Leute sollten sich vielleicht ‘mal fragen ob es denn wirklich richtig wäre aus einer Hochburg des isalmistischen Terrors auf das gesamte Land extrazupolieren? Oder sich gar fragen, ob nicht die Isalmofaschisten in Falluja für die Toten verantwortlich sind?
Es ist herrlich zu sehen wie diese Leute denken, die Augen verschliessen! Es ist Fakt, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt (wenn ihr der Meinung seid, es gäbe welche, zeigt sie mir in der Studie), wo diese Zahl zwischen 8′000 und 194′000 anzusiedeln ist. Natürlich ist nicht jede Zahl in diesem Raum gleich wahrscheinlich, dennoch - ich wiederhole mich - gibt es rein gar nichts, was erlauben würde zu sagen, dass es rund 100′000 Tote gab. Es ist komplett aus der Luft gegriffen.
Ausserdem ignorieren diese »Kritiker« den wichtigsten Schwachpunkt der »Studie«: Die Unwahrscheinlichkeit der niederigen Sterblichkeitsrate vor dem Krieg.
