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Montag, 27. September 2004

Der Selbsthass der Intellektuellen

SPIEGEL: Mister Allen, sehen Sie Ihren Präsidenten George W. Bush als komische oder als tragische Figur?

Allen: Bush selbst ist ziemlich komisch. Wenn man ihn reden hört, muss man oft laut loslachen. Sollte er aber wiedergewählt werden, dann gibt’s eine Tragödie.

Da haben wir die erste Eigenschaft des Homo Intellektuelus: Er verallgemeinert nicht, denkt differenziert.

SPIEGEL: Warum haben Sie als Chronist von Manhattan den 11. September bisher nicht in Ihre Filme einbezogen?

Allen: Ich finde einfach politische Themen nicht profund genug, um mich damit als Künstler auseinander zu setzen.

Das ist es, politische Themen sind nicht profund genug. Sein letzter Streifen (zweifelsohne sehr gut!), Anything Else, »analysiert« Beziehungen in der das Mädchen keinen Sex mit ihrem Freund haben kann, aber mit anderen und deshalb ihren Freund ermutigt mit anderen Frauen zu schlafen. Ja gut, wenn ich es mir recht überlege ist es sogar wahnsinnig profund…

2001 brachten einige Fanatiker Amerikaner um, und jetzt bringen Amerikaner ein paar Iraker um.

Ergo, die Amerikaner sind Fanatiker und bringen aus Spass an dem Tode Iraker um. Ganz fein gelöst, Herr Allen! Ganz im Stile des Prototypen des Intellektuellen: Amerika als Wurzel allen Übels!

Politik ist auf die Jahrtausende gesehen eine zu flüchtige Angelegenheit, zu unbedeutend, denn alles wiederholt sich. Aber als Bürger gehe ich natürlich wählen.

Good for you! Politik ist also unbedeutend, während nun absurde Beziehungen den Sinn des Lebens darstellen. Es ist mir eine Freude, euch eine weitere Spezies vorzustellen: Den intellektuellen Künstler!

SPIEGEL: Lassen sich die Wähler denn von prominenten Künstlern beeinflussen?

Allen: Wenn Showbusiness-Leute im amerikanischen Wahlkampf Stellung beziehen, scheint das nicht viel zu helfen. In Europa haben die Menschen wohl mehr Hochachtung vor den Künstlern.

Ja was machst du denn noch da drüben bei den Verblödeten, Woody? Mag sein, dass Europa mehr Hochachtung vor Künstlern hat. Wo hat es Europa nun hingebracht? Zu 2 Weltkriegen, zu 2 der menschenverachtendesten politischen Systemen, zu bankrotten Sozialstaaten und zur Erkenntnis, dass der 11. September »ein Ereignis [ist], das man in einer Unfallstatistik des Landes gar nicht wahrnehmen würde« (Peter Sloterdijk). Vielleicht sollten sich Künstler auf das beschränken, was sie wirklich können: Kunst!

Wenn sich in den USA dagegen Autoren wie Norman Mailer oder Philip Roth äußern, nehmen nur die Leute das zur Kenntnis, die schon immer deren Ansichten teilten. Davon kommt keine einzige frische Stimme.

Könnte dies an der Scheisse liegen, die diese Knalltüten erarbeiten? Die womöglich niemand wirklich versteht?

SPIEGEL: Auch Argumente - wie die Kriegslüge oder die Schulden aufhäufende Wirtschaftspolitik - zählen da nicht?

Allen: Wer für Bush ist, der will von guten Gründen gegen ihn nichts wissen. “Macht nichts, ich weiß schon”, sagen seine Anhänger, “aber ich mag ihn halt.” Dabei bleibt’s. Ich persönlich mag halt Kerry.

Wir haben es langsam verstanden! Wer für Bush ist, ist zwingenderweise blöd. Beeindruckend wie man in einem Satz, die grössere Hälfte der eigenen Landsleute kritisieren kann.

Wenn ich mich auf Wahlveranstaltungen einmische, heißt es: “Na ja, der Woody Allen ist eben ein typischer New Yorker Intellektueller.” Über das verrückte Hollywood-Völkchen lachen die Wähler der Republikaner nur.

Angesichts Lunatiker wie Sheryl Crow, die behaupten »Krieg ist nie eine Lösung um Probleme zu lösen. Der beste Weg Probleme zu lösen ist keine Feinde zu haben«, Janeane Garofalo die meint »der Welt ging es besser, als die Sovientunion noch exisitierte«, Danny Glover der glaubt in Bush einen Rassisten erkannt zu haben und Robin Williams welcher überzeugt ist, Bush sei ein Diktator, ja angesichts dieser Leute ist die Amerikanische Abneigung für politische Ansicht die aus Hollywood kommen, durchaus verständlich!

SPIEGEL: Halten Sie es also für wirkungslos, wenn jemand wie Michael Moore einen Dokumentarfilm mit starker politischer Botschaft dreht?

Allen: Moore hat mit “Fahrenheit 9/11″ eine sehr erfolgreiche und gute Dokumentation abgeliefert. Aber das Problem war, dass nur die den Streifen liebten, die wie er empfinden. Ich zum Beispiel. Aber auch Moore gelang es nicht, die Gegenseite zu beeinflussen. Das hat man mit Hilfe von Meinungsumfragen ausgetestet. Hoffnungsloser Fall.

Und schliesslich das i-Tüpfelchen eines jeden Intellektuellen nach dem Motto »Ich hab die ganze Weisheit dieser Welt aufgefressen aber keiner glaubt’s mir«! Kann es sein, dass Moore einfach auf einem Niveau arbeitet, dass nur die PACE-Terriristenunterstützer anspricht, weil es mit Hilfe von verdrehten Fakten und simplen Lügen ihr Weltbild unterstreicht?

Also Woody (und alle anderen Intellektuellen), die Amis haben TV und eine freie Medienlandschaft (welche eher contra- als pro-Bush ist), blöd sind sie entgegen eueren Behaupten eben doch nicht und können selber entscheiden was gut für sie ist! Macht weiter Kunst, philosophiert bis euch die Birne explodiert, das könnt ihr, aber hört auf das Volk für blöd zu halten!

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